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Der Angeklagte Tomasz K. kann sich an den Vorfall kaum erinnern.

Der Angeklagte Tomasz K. kann sich an den Vorfall kaum erinnern.© Heindrich

Gericht

Hannover: Party zu laut - Nachbar versprüht Reizgas

Weil er sich von zu lauten Nachbarn gernervt fühlte, soll ein Mann im Treppenhaus Reizgas versprüht haben. Nun stand der 40-jährige Tomasz K. vor Gericht. Er selbst behauptet, mit der Sprühdose gefallen zu sein und dabei sei dann das Reizgas entwichen.

Hannover. Früher ging es um „Tratsch im Treppenhaus“. Doch diese Zeiten sind vorbei. Heute verschafft man sich mit einem Gasangriff im Treppenhaus Gehör. So wie Tomasz K. (40). Er versprühte eine 0,5-Liter-Dose in seinem Treppenhaus, weil er sich von zu lauten Nachbarn belästigt fühlte. Vier Anwohner klagten nach der Attacke über Reizhusten und brennende Augen.

Sprühdose zur Verteidigung mitgenommen

24. Februar 2017, 21.20 Uhr, in einem Haus in der Göttinger Chaussee: Tomasz K. hatte nach Feierabend tüchtig getrunken. Er hatte mehr als zwei Promille intus. Und wieder feierten seine jungen Nachbarn Party. Mit schwankendem Schritt und dem Reizgas ging er ins Treppenhaus: „Ich hatte das Gas zur Verteidigung mitgenommen, nicht zum Angriff.“ Ansonsten könne er sich kaum noch erinnern. Er sei wohl gefallen und dabei sei das Reizgas entwichen. „Komisch“, meinte Amtsrichter Lars Römermann. Der Verteidiger habe ge­schrieben, dass das Gas entwichen sei, weil er mit der Sprühdose gegen die Tür geschlagen habe. Der Anwalt korrigierte sich und stellte seine Version als „Vermutung“ dar.

Die Zeugen waren sich hingegen sicher: „Am Türrahmen lief eine gelb-grüne Flüssigkeit herunter“, sagte ein Polizeibeamter (29). Die Vermutung: Der Angeklagte hat wohl versucht, durch den Türspalt zu sprühen. Weiter erzählten die Zeugen, dass das Treppenhaus voller Gas war. Tomasz K. hatte auch mit der Sprühdose gegen die Tür geschlagen.

Verhandlung wird fortgesetzt

„Er war bumsvoll“, be­zeichnete der Polizeibeamte den Zustand des Angeklagten. Insofern könnte auch eine verminderte Steuerungsfähigkeit in Frage kommen, sagte ein MHH-Gerichtsmediziner.

Eigentlich hätte die Verhandlung schon am Montag zu Ende gehen können. Doch der Anwalt bestand darauf, die Sprühdose zu sehen. Das Corpus Delicti war jedoch nicht im Gerichtssaal. Deshalb wird der Prozess im Dezember fortgesetzt. In Wahrheit war der Anwalt wohl sauer, dass Richter Römermann sich zu keinem Zugeständnis bewegen wollte. „Für mich ist das keine gefährliche Körperverletzung“, so der Anwalt. Diese Ansicht hatte er offenbar exklusiv.

Von Thomas Nagel


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