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Meine Stadt Nach Tod eines 11-Jährigen: Eltern kämpfen für sichere Kreuzung
Hannover Meine Stadt Nach Tod eines 11-Jährigen: Eltern kämpfen für sichere Kreuzung
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00:17 16.07.2018
Für mehr Sicherheit: Um die Aufmerksamkeit für den Radverkehr zu erhöhen, hat die Stadt die Radwege an der Unfallkreuzung rot markiert. Quelle: Dröse
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Hannover

Seit fast drei Monaten ist das Bett von Manuel (11) nun unberührt. Noch immer ist derselbe Bezug auf Decke und Kopfkissen. „So können wir ihn noch riechen“, sagt Vater Hans-Jürgen Roland (64). Jede Erinnerung zählt, denn Manuel kommt nicht mehr wieder – er ist tot.

Am 18. April überrollte beim Abbiegen ein Lkw den Elfjährigen an einer Kreuzung auf der Vahrenwalder Straße. Weil sich Manuel im toten Winkel befand, hatte der Fahrer ihn nicht gesehen. Sowohl für den Lkw- als auch für den jungen Radfahrer zeigte die Ampel Grün.

Manuel starb noch am Unfallort. Er war mit seiner Mutter auf dem Weg zur Bibelstunde. Sie fuhr nur drei Meter hinter ihm und musste den Unfall mit ansehen. „Sie bekommt die Bilder einfach nicht mehr aus dem Kopf“, sagt Roland über seine Frau Swetlana Nowak-Roland (51). Sie versuchte, den Jungen unter dem Lkw hervorzuziehen. „Der Schmerz sitzt tief in der Seele“, beschreibt der Vater unter Tränen seine Emotionen.

SCHMERZ SITZT TIEF: Hans-Jürgen Roland hat im April seinen 11-Jährigen Sohn Manuel, bei dem Unfall auf der Vahrenwalderstraße verloren. Quelle: Rainer_Droese

Stadt soll Ampelschaltung verändern

Er und seine Frau hoffen nun, dass die Stadt auf den tragischen Unfall reagiert. „Wie soll ein kleines Kind eine so komplizierte Schaltung verstehen? Wenn die Ampel grün zeigt, ist sich ein Kind doch sicher, dass es die Straße passieren darf.“ Die Ampelschaltung müsse optimiert werden, so ein Unfall dürfe sich nicht wiederholen. Autos sollten künftig nur dann rechts abbiegen dürfen, wenn die Ampel für Radfahrer rot zeigt. Das habe Roland auch Oberbürgermeister Stefan Schostok und Stadtbaurat Uwe Bodemann mitgeteilt. „Ich war schockiert davon, wie kalt sich Herr Bodemann im Gespräch gezeigt hat“, erinnert er sich. Man habe zwar das Beileid ausgedrückt, aber hätte die Kreuzung für baulich unproblematisch angesehen.

Auf Nachfrage bei der Stadt hieß es: „Sowohl der Oberbürgermeister als auch der Stadtbaurat haben gegenüber den Eheleuten ihre tiefe Betroffenheit über das Unglück, das ihnen durch den Unfall widerfahren ist, zum Ausdruck gebracht. Ohne Zweifel haben beide Vertreter der Landeshauptstadt Hannover den Eltern ihr Mitgefühl entgegengebracht.“ Bodemann, gegen den sich die Vorwürfe richten, äußerte sich nicht persönlich.

Stadt: Alles entspricht den Richtlinien

Weiter hieß es, der Unfallort Vahrenwalder Staße, Ecke Industrieweg, entspreche sowohl baulich als auch in betrieblicher Hinsicht den geltenden Richtlinien. Als indirekte Folge des Unfalls hat die Stadt „in vorderer Priorität“ alle großen Kreuzungen an der Vahrenwalder Straße mit breiten, roten Fahrradfurten ausgestattet. Nach dem Unfall forderten unter anderem der Fahrradclub ADFC und 70 Unterzeichner eines offenen Briefes eine Entschärfung der Kreuzung. Unabhängig von dem Unfall prüfe die Stadt derzeit, ob eine Optimierung der Signalschaltung möglich sei.

Stadtsprecherin Michaela Steigerwald stellte klar, man wolle auf die im Gespräch geäußerte Schuldzuweisung nicht eingehen. Auch Schadensersatz zahle man nicht. Das Ehepaar hatte eine Forderung über 20 000 Euro gestellt. „Wir müssen uns eine neue Wohnung suchen, weil wir jedes Mal an der Unfallstelle vorbeifahren, wenn wir in die Stadt wollen.“ Rechtsanwalt Jean Gutschalk hielt die Forderung für „menschlich nachvollziehbar“, es sei normal, dass Trauernde einen Schuldigen suchen. Ob die Forderung durchsetzbar ist, hält er für sehr fraglich: „Die Versicherung des Unfallfahrers muss aufgrund der Hinterbliebenenhaftung für den Schaden aufkommen.“ Gegen den Fahrer wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Seit dem Unfall forderten die Landtagsfraktionen, dass künftig in allen Lkw Abbiegeassistenten eingeführt werden müssen. Sie schlagen Alarm, wenn sich ein Mensch im toten Winkel befindet.

Von Mandy Sarti

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