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Margot Käßmann ist nach einer Trunkenheitsfahrt unter Druck geraten.

Margot Käßmann ist nach einer Trunkenheitsfahrt unter Druck geraten.© dpa

EKD-Vorsitz

Nach Alkoholfahrt: Käßmann unter Druck

Betrunken fuhr Margot Käßmann am späten Samstagabend in der Innenstadt von Hannover über eine rote Ampel - direkt vor den Augen einer aufmerksamen Polizeistreife. Ein Fehltritt, der für die Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) schwerwiegende Konsequenzen haben könnte.

Von Sebastian Bronst

Hannover. Entsprechende fassungslos zeigte sich die 51-Jährige: „Ich bin über mich selbst erschrocken, dass ich einen so schlimmen Fehler gemacht habe. Mir ist bewusst, wie gefährlich und unverantwortlich Alkohol am Steuer ist“, sagte die Landesbischöfin von Hannover der „Bild“.

Die Affäre um die Trunkenheitsfahrt trifft eine durchaus streitbare und wegen ihres gesellschaftlichen Engagements hochangesehene Frau. Als die Synode der EKD in Ulm Käßmann im vergangenen Oktober mit überwältigender Mehrheit als erste Frau an die Spitze der evangelischen Kirche in Deutschland wählte, waren fast nur begeisterte Stimmen zu vernehmen. In die politische und gesellschaftliche Diskussion wolle sie sich von Anfang an einmischen, auch und gerade bei so sensiblen Themen wie dem würdigen Sterben, kündigte die ehemalige Gemeindepfarrerin damals an.

Schon nach ihrer Amtsübernahme als Bischöfin von Hannover im Jahr 2009 hatte sich die in Marburg geborene Theologin einen Ruf als streitbare Mahnerin in brisanten sozial- und gesellschaftspolitischen Fragen erworben. Einen ersten Eindruck von ihrem Rollenverständnis als führende Repräsentantin der evangelischen Kirche erlaubte die Auseinandersetzung um ihre Neujahrspredigt, in der sie den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan kritisierte. Anschließend musste sie sich vorwerfen lassen, die Soldaten im Stich zu lassen.

Dass auch ihr Privatleben von nun an verstärkt unter Beobachtung stehen würde, war der 51-Jährigen dabei nur zu bewusst. Ihr Posten bringe „ein heftiges Maß an Öffentlichkeit und Verantwortung mit sich, mein privates Leben wird dadurch sehr eingeschränkt“, sagte sie erst vor wenigen Wochen in einem Interview. Sie träume bereits davon, sich eines Tages wieder mehr ins Private zurückzuziehen.

Dementsprechend blieb auch ihre Autofahrt unter Alkoholeinfluss der Öffentlichkeit nicht lange verborgen. Die „Bild“-Zeitung berichtete am Dienstag, Käßmann sei am Samstagabend gegen 23.00 Uhr von der Polizei gestoppt worden, nachdem sie mit ihrem Wagen eine rote Ampel überfahren hatte. Die beiden Beamten nahmen bei der anschließenden Kontrolle eine Alkoholfahne war und baten die Bischöfin zu einer Blutprobe auf die Wache. Das Ergebnis: 1,54 Promille Alkohol, zulässig sind höchstens 0,5 Promille.

Der Landesbischöfin blieb nichts anderes übrig, als sich um Schadensbegrenzung zu bemühen. „Selbstverständlich“ werde sie sich den „rechtlichen Konsequenzen“ stellen, sagte Käßmann der „Bild“. Die sind indes nicht ohne. Laut Staatsanwaltschaft muss Käßmann sich einem Verfahren wegen Trunkenheit am Steuer stellen. Ihr droht damit eine Geldbuße von einem Monatsgehalt sowie der Führerschein-Entzug für ein Jahr.

Die Affäre ist nicht das erste Mal, dass das Privatleben der 51-Jährigen für Schlagzeilen sorgt. Als sie sich 2007 als erste amtierende deutsche Bischöfin von ihrem Mann scheiden ließ, sorgte dies für großes Aufsehen und kontroverse Diskussionen. Nach 26 Ehejahren und vier gemeinsamen Töchtern entschieden sie und ihr Mann sich damals für eine Trennung. Sie selbst bezeichnete dies einmal als einen „unendlich schweren Schritt“, den sie aber trotz allem gehen musste.

Zusammen hing Käßmanns Entscheidung damals auch damit, dass sie in dem Jahr zuvor schwer an Brustkrebs erkrankt war. Nach der Operation nahm sie sich 2006 eine zweimonatige Auszeit ohne ihren Mann und ihre Kinder. Erst ihre Erkrankung und das Bewusstsein, dass das Leben kurz begrenzt sei, habe ihr den Mut für die Scheidung gegeben, sagte sie später. Damals habe sie sich gesagt, sie wolle in ihrem Leben aufräumen. Dazu habe auch das Eingeständnis gehört, dass ihre Ehe gescheitert sei. afp


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