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Meine Stadt Mutter bringt Töchter aus Tunesien zurück nach Hannover
Hannover Meine Stadt Mutter bringt Töchter aus Tunesien zurück nach Hannover
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18:42 22.05.2018
Katharina Schmidt darf mit ihren Kindern nach Hannover zurückkehren. Quelle: privat
Hannover

Fast drei Jahre lebten die Kinder in Kasserine (Tunesien). Seit Januar 2016 galten die Kinder als entführt  – von ihrem eigenen Vater, Kais B. (40).

„Die Kinder haben Höllenqualen gelitten“, sagte die Mutter am Bahnhof. Seit Sonntagnacht wurde der Familie die Ausreise verweigert. Es begann eine nervenaufreibende Hängepartie. „Man sagte uns, dass es Haftbefehle gegen uns gibt. Damit wurde uns Angst gemacht“, erzählte die Fachärztin. Auf Kindesentführung stehe in Tunesien eine Höchststrafe von 20 Jahren. „Wir hatten panische Angst – definitiv“, meinte Katharina Schmidt.

Recht auf Seiten der Mutter

Seit dem Pfingstwochenende war der Fall Schmidt zu einem Politikum geworden. Das Auswärtige Amt war eingeschaltet. Katharina Schmidt hatte nach deutschem und tunesischem Recht das Sorgerecht. Trotzdem bekam sie die Kinder nicht aus Kasserine heraus. Die Familie des Kindsvaters weigerte sich, die Kinder frei zu geben. Sie warteten auf die Einwilligung ihres Erstgeborenen. Kais B. wiederum hielt die Justiz wiederholt zum Narren. Bereits drei Mal wurde er wegen Kindesentzugs verurteilt. Zwei Jahre Strafhaft hat er bereits verbüßt. Die zweite Verurteilung wurde wegen eines Formfehlers aufgehoben. Am 19. April 2018 wurde er erneut zu elf Monaten Gefängnis verurteilt.

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) erklärte: „Ich bin froh und erleichtert darüber, dass die beiden jahrelang in der Familie ihres Vaters in Tunesien festgehaltenen Kinder heute sicher nach Niedersachsen zurückgekehrt sind.“ Er bedankte sich auch beim Auswärtigen Amt und der tunesischen Justiz.

Für den tunesischen Rechtsstaat war das Ganze kein Ruhmesblatt. Zuerst sagten die Behörden in Tunis, dass in Kasserine „Anarchie“ herrsche. Seit Sommer 2017 konnte die Ärztin aus Hannover ihre Kinder nicht holen, trotz der deutschen und tunesischen Rechtstitel. Und dann werden Schmidt und ihren Begleitern am Pfingstwochenende die Pässe entzogen und die Ausreise verweigert.

Ruhe, um das Geschehene zu bewältigen

Jetzt will die Mutter erstmal zur Ruhe kommen. Die Kinder müssen die traumatischen Erlebnisse verstehen und wieder in den deutschen Alltag finden. Hanna habe während ihres Aufenthalts in Tunesien die deutsche Sprache verlernt, die Kinder seien zudem schlecht ernährt worden, sagte die Mutter zur NP. Im NDR-Interview meinte die Ärztin: Das Ganze sei noch nicht vorbei. Ihr ist bewusst, dass neue Probleme auftreten werden, wenn Kais B. aus der Haft entlassen wird. Sie weiß, wozu er fähig ist. Während der Beziehung habe er öfter zugeschlagen, sagte sie im Gericht.

Thomas Nagel