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Konzert

Müde Helden: Ein Wiedersehen ohne aha-Effekt

Nach dem Abschied ist vor dem Abschied: a-ha spielen vor 7000 Fans in der TUI-Arena das Best-of einer großen Karriere - für einen denkwürdigen Abend fehlte dann aber doch der Einsatz.

Hannover. Die Abschiedstournee gehört zum Popgeschäft wie die Reunion, beides lässt sich zufällig auch prima vermarkten. Zu oft sollte man das aber nicht wiederholen – jedem Neuanfang wohnt dann doch kein Zauber inne. Den Wiedergängern von a-ha fehlte sechs Jahre nach ihrer letzten Trennung genau das. Musikalisch einwandfrei spulten die Helden der Achtziger in der TUI-Arena gestern Abend ein routiniertes Programm ab, die manchmal etwas blutleere Dienstleistung einer Zweckgemeinschaft. Die Helden scheinen müde.

„Cast in Steel“ lautet das aktuelle und recht belanglose Album, das es eigentlich kaum bedurft hätte. 2015 spielten die Norweger vor 90 000 Menschen bei „Rock in Rio“, Anlass war der 30. Geburtstag des Debütalbums „Hunting High and Low“. Jener Titel, der auch gestern alles überragte: Der spät gespielte Song küsste das Publikum wach.

Als Sänger Morten Harket sein Mikrofon ausstreckte und die meisten der 7000 Besucher antworteten, da schienen Künstler und Publikum vereint in bittersüßer Wehmut an die eigene Jugend. Eine Szene, die zeigt, was hier heute Abend möglich wäre. Für solche Momente kommen die Menschen zu Bands, die vor Jahrzehnten schwerst angesagt waren – ob sie nun a-ha heißen, Depeche Mode oder Take That.

Die Norweger wissen das natürlich, die Titelauswahl ist entsprechend: „Cry Wolf“, „The Sun always shines on TV“, „Crying in the rain“, „I’ve been losing you“ – das kraftvoll aufgerockte Best-of eines Jahrzehnts. Sogar die Falsettstimme des 56-jährigen Morten Harket klingt wie früher, etwa bei dem Schmachtkonzentrat „Stay on these roads“. Es könnte theoretisch also auch 1988 sein, wenn man sich mal all die leuchtenden Handydisplays wegdenkt, die Magne Furuholmen charmant einfordert, als er für ein Song den Gesang übernimmt („Lifelines“). Das erledigt er übrigens ebenso souverän wie zuvor Paul Waaktaar-Savoy mit „Velvet“.

Im Grunde macht die Band also vieles richtig – und muss sich gerade deshalb die Frage gefallen lassen, warum es erst sehr spät richtig gut wird. a-ha war sicher nie die Gute-Laune-Rampensau wie etwa der musikalische und zuweilen etwas größenwahnsinnige Nachkomme Coldplay, aber ein wenig mehr Begeisterung vor allem beim Sänger würde dem Abend gut tun. Harket hat die Hand meistens an der Gürtelschnalle - und das Tanzen wahrlich nicht erfunden. Mensch, Morten! Manchmal wirkt er vergrübelt wie viele seiner Songs. Lost im „Train of Thought“?

In seiner kürzlich erschienenen Autobiografie („My take on me“) stellt sich Harket die Frage: „Wenn unsere nächsten zehn Singles auf Platz eins landeten, wäre ich dann zufrieden? Was würde mir das tatsächlich geben?“ Sicherlich sind das legitime Fragen, aber wenigstens auf der Bühne sollte er kurz aufhören, nach Antworten zu suchen. Denn wenn dann am Ende „Take on Me“, das Lied, mit dem diese Liebesbeziehung in den posterbeklebten Kinderzimmern der Republik begann, die Halle in einen mitreißenden Kollektivrausch versetzt – wer will da noch mit der angeblichen Oberflächlichkeit des Pop hadern?

Und dann ist Schluss. Für immer? Zu ihrer letzten Abschiedstournee, die a-ha im November 2009 nach Hannover führte, prophezeite die Neue Presse in ihrer Kritik eine Reunion in zehn Jahren. Es ging dann doch eine Ecke schneller. Diesmal glaubt sie nicht daran. Durchaus schade.


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