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Meine Stadt 66-Jährigen in Hannover umgebracht: Anklage gegen Todespfleger
Hannover Meine Stadt 66-Jährigen in Hannover umgebracht: Anklage gegen Todespfleger
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07:39 13.03.2019
Tatwaffe Insulin: Zwölf pflegebedürftigen Menschen soll Grzegorz W. Insulin gespritzt haben. Sechs von ihnen starben.
Hannover

Voraussichtlich in drei Wochen will die Münchner Staatsanwaltschaft Anklage gegen Grzegorz W. (36) erheben. Der polnische Hilfspfleger soll sechs Patienten ermordet, drei Mordversuche sowie drei gefährliche Körperverletzungen verübt haben. Sein Tatwerkzeug in allen Fällen: Insulin. Ende Juli 2017 tötete W. auch einen 66-jährigen Rentner in Hannover.

Die Ermittlungen seien weitestgehend abgeschlossen, sagt Oberstaatsanwältin Anna Leiding. Hatte der Aushilfspfleger, den die Ermittler als „hoch mobil“ beschreiben, zunächst alle Vorwürfe abgestritten, so hat der 36-Jährige seine Strategie mittlerweile verändert. Leiding: „Er leugnet nicht mehr, den Patienten Insulin gespritzt zu haben, bestreitet aber eine Tötungsabsicht. Sein Geständnis ist nicht von Reue getragen.“

Die Oberstaatsanwältin beschreibt die Aussagen des Polen, der seit über einem Jahr in U-Haft sitzt, als „diffus“. Nachdem W. in seiner Heimat bis Mai 2014 eine fünfjährige Haftstrafe wegen Eigentumsdelikten verbüßt hatte, absolvierte er einen Pflegekurs, ließ sich danach für 24-Stunden-Betreuungen nach Deutschland vermitteln. Mindestens 68 alte Menschen betreute W. in dieser Zeit in Deutschland. Doch die Vernehmungen hätten ergeben, dass er wenig Lust auf diese Aufgabe hatte. „Stattdessen waren ihm mindestens acht Stunden Nachtruhe, freies W-Lan und viel Essen, vor allem jede Menge Fleisch, wichtig“, so die Anklägerin.

In zwölf Fällen wurde Grzegorz W. zum Täter

Habe es von den Pflegebedürftigen oder deren Angehörigen zu viel Kontrolle oder zu wenige Dinge gegeben, die er aus den Häusern mitgehen lassen konnte, begann er zu nörgeln und sei unter einem Vorwand verschwunden, so Leiding: „Mehrmals ist seine Mutter gestorben, dann hatte sein Kind, das es gar nicht gibt, etwas am Herzen.“ In zwölf Fällen wurde der Pole zum Täter, injizierte den Pflegebedürftigen Insulin aus seinem eigenen Insulin-Pen. Im Gegensatz zu seinen Patienten ist W. tatsächlich Diabetiker. Auf die Frage nach dem Warum gab der 36-Jährige laut Leiding zu Protokoll: „Weil die Patienten durch das Insulin lange schliefen und er nachts seine Ruhe bräuchte.“ Wenn seine Patienten in einen lebensbedrohlichen Dämmerzustand fielen, da sind sich Ermittler sicher, konnte Grzegorz W. schlafen, Schubladen aufziehen, ungestört durch den Keller stöbern. Erst danach rief er oder ein besorgter Verwandter einen Notarzt. Sechs Menschen bezahlten diese Habgier und Heimtücke mit ihrem Leben, drei überlebten.

Von Britta Lüers

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