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Ihre Leichen wurden nie gerfunden: Karen und Clara Gaucke.

Interview

Fall Gaucke - Anwalt glaubt: Clara lebt noch

Es war einer der bundesweit spektakulärsten Indizienprozesse, begleitet von einem riesigen Medienrummel. Matthias Waldraff war mittendrin als Anwalt der Eltern von Karen Gaucke, die als Nebenkläger auftraten. 

Der Angeklagte Michael P. wurde wegen Doppelmordes an Karen und Clara Gaucke verurteilt – sowohl Waldraff als auch alle Prozessbeobachter waren sich sicher: Das Urteil ist das einzig richtige. Doch mit den Jahren wuchsen die Zweifel bei dem Juristen. War es wirklich ein Doppelmord? Die NP sprach mit Waldraff.

Der Fall Gaucke – zehn Jahre ist es schon her.
Aber er gehört zu den Fällen, die mich bis zum Ende meines Lebens nicht loslassen werden. Ein Fall, mit dem ich mich noch beschäftigt habe, auch nachdem er juristisch abgeschlossen war. Ich habe noch viele Gespräche geführt – unter anderem mit engsten Vertrauten von Michael P.

Anwalt Matthias Waldraff

Und es reifte eine überraschende Erkenntnis.
Ich bin inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass Clara nicht in der Wohnung war zu dem Zeitpunkt, als ihre Mutter Karen dort getötet wurde.

Das heißt, Clara lebt?
Davon gehe ich heute aus.

Was spricht dafür?
Schon bei den Ermittlungen und während des Gerichtsverfahrens sprachen einige Indizien dafür, dass Clara nicht getötet wurde. Zum Beispiel fehlten in der Wohnung nach der Tat der Maxicosi, ein spezieller Ernährungsplan für Clara und die große Wickeltasche. Außerdem gab es keine objektiven Spuren für den Tod.

Diese drei fehlenden Dinge machten nach NP-Informationen einige Fahnder stutzig. Warum sollte der Täter einen speziellen Diätplan für die kleine Clara mitnehmen? Die Spur wurde dennoch nicht weiter verfolgt. Die Theorie der Ermittler: Mit dem Maxicosi wurde die Leiche weggebracht, in der Wickeltasche wurden weitere Sachen transportiert. Der Ernährungsplan spielte keine Rolle. Es gab aber noch eine bemerkenswerte Aussage einer Nachbarin. Die sagte, dass Clara immer verlässlich gegen 19.30 Uhr geschrien hat. Nur am Tatabend nicht. Weil sie nicht da war? Oder weil sie tot war, wie Richter Bernd Rümke vermutete? Michael P. kam aber erst gegen 20 Uhr.

Im Laufe der Jahre gab es weitere Hinweise?
Vor seinem Tod hat Michael P. dann engen Vertrauten, die ihn mehrmals im Gefängnis besucht haben, glaubhaft versichert, dass Clara nicht in der Wohnung war.

Warum aber hat der Täter dann so eisern geschwiegen?
Er war bis zuletzt der festen Überzeugung, dass er freigesprochen wird, weil es keine Leichen gab. Das war ein fataler Trugschluss. Dann hoffte er auf die Revision, anschließend auf die Verfassungsbeschwerde. Im Gefängnis erhielt er dann die Diagnose Hodenkrebs, der viel zu spät erkannt wurde. Und bis zu seinem Tod war er überzeugt, dass ihm sowieso niemand mehr glauben würde.

Während des Prozesses hatten Beobachter den Eindruck, dass sich der Angeklagte unwohl in der Rolle des Schweigenden fühlt. Einmal wollte er sich äußern, wurde aber von seiner Anwältin zurückgehalten. Die Strategie war, dass es ohne Leichen und ohne Geständnis keinen Schuldspruch geben konnte. Daran glaubte Michael P. offenbar bis zuletzt. Hätte er nach dem Urteil gesagt, dass er Clara nicht getötet habe, wäre ihm das nicht geglaubt worden. Und er hätte auch sagen müssen, was er mit der getöteten Karen gemacht hatte. Das wollte er nicht.

Wenn es denn die Zweifel gab, warum haben die nie eine Rolle gespielt?
Weil die Verteidigung nichts in die Richtung unternommen hat. Weil der Angeklagte durchgängig geschwiegen hat. Außerdem hätte sich niemand auf Seiten der Polizei, der Staatsanwaltschaft, des Gerichts, der Nebenklage und in der Öffentlichkeit vorstellen können, dass jemand, der zu Unrecht beschuldigt wird, seine vier Monate alte Tochter getötet zu haben, nicht laut protestiert. Das konnte sich keiner vorstellen.

Wann kamen die ernsthaften Zweifel?
Im Gespräch mit den engsten Vertrauten kamen die Zweifel wieder hoch und wurden stärker. Es gab überhaupt keinen Grund für Michael P., seinen Tod vor Augen, zu lügen. Er starb dann relativ schnell, so dass man auch die Möglichkeit einer Wiederaufnahme nicht weiterverfolgen konnte.

Clara wäre jetzt zehn Jahre alt. Wenn sie lebt, wo ist sie?
Dazu will ich nichts sagen.

Karen Gaucke war alleinerziehend und hatte viele Freunde in der Umgebung, die sich auch um Clara gekümmert haben. Für sie war es ein wichtiger Abend, sie wollte ein klärendes Gespräch mit dem Vater wegen der Unterhaltszahlungen. Auch vor zehn Jahren glaubten einige, dass sich Clara an dem Abend woanders aufhielt – aber auch diese Möglichkeit wurde nicht weiterverfolgt.

Wie könnte es weitergehen?
Vielleicht kommt ja doch noch Bewegung in die Sache. Es geht mir nicht um strafrechtliche Ermittlungen nach der langen Zeit, sondern um einen Appell. Es wäre doch für die Familie großartig, wenn Clara wieder auftaucht. Das Mädchen ist in einem Alter, in dem man mit der Wahrheit umgehen kann.


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