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Prozess

Mord im Asia-Imbiss: Das Geständnis des Kochs

Er musste rund um die Uhr schuften. Als Sushi-Koch Van H. (29) kündigte, wurde sein Chef wütend. Er bedrohte H. und seine Freundin mit dem Tod. Bei einer Aussprache eskalierte die Situation. Der Chef (36) verblutete in der Küche des Asia-Imbisses im A2-Einkaufszentrum in Altwarmbüchen.

hannover.  Es war eine grausame Tat: Van H. (29) hat mit mindestens acht Messerstichen seinen Chef (36) getötet. „Es ist etwas in mir explodiert“, so der Angeklagte zum Prozessauftakt.

Der Totschlag hat aber auch eine brutale Vorgeschichte. Der Sushi-Koch im A2-Einkaufszentrum in Altwarmbüchen (Isernhagen) hatte am 8. November 2016 gekündigt. „Ich musste sieben Tage in der Woche arbeiten. Ich fühlte mich erschöpft“, erklärte der 29-Jährige. Die folgenden Tage habe ihn sein Chef bedroht und mit einer Vielzahl von Anrufen belästigt. Er habe türkische Schläger gesucht, die ihn und seine Freundin (24) zusammenschlagen sollten.

Am 13. November kam der Chef mit einem Freund zur Freundin des Angeklagten. „Er drohte damit, mein Haus anzuzünden“, sagte die Studentin aus. Er habe auch gesagt, dass er sie umbringen lasse.

Einen Tag später um 14.30 Uhr im „Fresh Asia“-Imbiss: Van H. wollte die Aussprache mit seinem Chef. „Er beschimpfte mich wieder. Ich hatte Angst. Ich suchte Schutz.“ Der Schutz bestand in einem 20-Zentimeter langen Küchenmesser. Van H. verletzte den Herzbeutel und die Halsschlagader. Das Opfer verblutete. An die konkrete Tat habe er keine Erinnerung, sagte Van H. Nach der Tat habe er einem Bekannten gesagt, dass er die Polizei rufen sollte. Der Täter wartete in einer Bushaltestelle auf die Beamten.

Anwalt Thomas Mügge erklärte, dass sein Mandant entsprechend seiner Kultur sehr emotionslos wirke. Das dies aber nicht die Persönlichkeit des Sushi-Kochs sei.

Der Prozess gibt auch einen Einblick in die Arbeitswelt 1.0. Sieben Tage musste der Koch über Monate hinweg schuften. Das Geld behielt er bar auf die Hand. Im Arbeitsvertrag war ein Stundenlohn von elf Euro vereinbart. Wie viel der Koch erhalten hat, ist unklar. Wahrscheinlich weniger als im Vertrag stand. 300 Euro musste Van H. an Miete an seinen Chef abdrücken. Nach fast sieben Monate Arbeit ohne freien Tag war der Angeklagte am Ende seiner Kräfte.

Warum sein Chef so erbost über die Kündigung war, darüber gibt es verschiedene Auffassungen. Ein Freund (35) sagte, dass er immer auf der Suche nach Arbeitskräften war. Die Freundin von H. gab eine andere Erklärung: „Er war um seinen Ruf besorgt. Er fürchtete, dass sich unter den Vietnamesen herumspricht, dass er ein schlechter Arbeitgeber ist.“

Von Thomas Nagel


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