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BESUCH: Ministerin von der Leyen informiert sich bei den Professoren Thomas Bleiche (links) und Kai Kahl über das Projekt.

BESUCH: Ministerin von der Leyen informiert sich bei den Professoren Thomas Bleiche (links) und Kai Kahl über das Projekt.© Frank Wilde

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Medizin

Modellprojekt an MHH soll Burn-out schneller heilen

Auch wenn Ursula von der Leyen Medizinerin ist, sieht sie sich als Bundesarbeitsministerin nicht in der Rolle einer „typischen Verbündeten“ der Psychotherapie. Dass sie dennoch am Montag die Verhaltenstherapeutische Institutsambulanz der MHH an der Podbielskistraße besuchte, hatte einen speziellen Grund.

Hannover. Mit einem Modellprojekt wollen die Psychiater Burn-out und andere psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz schneller und wirkungsvoller bekämpfen - löschen, bevor es richtig brennt.

„Es ist gut, wenn man von so einem Modell etwas mitbringt, was Schule machen kann“, so von der Leyen, „dabei kommt mit den Arbeitgebern neben den Medizinern und Krankenkassen ein ganz neuer Träger ins Spiel“ - der ein großes Interesse an einer effektiven Behandlung haben sollte.

Denn wegen psychischer Erkrankungen werden Arbeitnehmer bundesweit 53 Milliarden Tage pro Jahr krankgeschrieben. Folge: Produktionsausfall in den Betrieben in Höhe von 8 Milliarden Euro.

Das Modellprojekt der MHH setzt im Arbeitsleben an. So wird auch das Ziel nicht als Heilung definiert, sondern darüber hinaus als Rückführung in den Job. „Arbeit ist auch ein Schutzfaktor“, betonte Prof. Thomas Bleiche, Chefarzt der Psychiatrie.

Kooperationspartner sind die BKKs Salzgitter, Publik und TUI, beteiligte Firmen sind die TUI und Salzgitter Stahl, dort sind jeweils über 80 Prozent der Mitarbeiter bei den BKKs versichert. „Bei VW hätten wir es mit sehr viel mehr Krankenkassen zu tun“, so Oberarzt Kai Kahl. Zu viele Köche für diesen speziellen Brei.

„Sobald Arbeitnehmer längere Zeit krank sind, leuchtet eine Warnlampe auf“, erklärt Kahl. Dann würden diese Mitarbeiter speziell angesprochen und gefragt, ob sie sich einer psychoanalytischen Diagnostik unterziehen würden. „Oft bemerken die Betroffenen eine psychische Erkrankung nicht gleich, weil sich diese auch mit körperlichen Symptomen zeigen kann“, so Kahl.

Ziel des Projekts aber ist die Früherkennung, um die sonst häufige Diagnoseverschleppung von bis zu acht Jahren zu vermeiden. Kahl: „Dann kann die Erkrankung schon chronisch geworden und nur noch schwer zu behandeln sein.“

Im Falle einer Erkrankung gibt es drei Behandlungsmöglichkeiten: eine ambulante Kurzzeittherapie von 25 Stunden, eine ambulante ärztliche Behandlung, gegebenenfalls mit Medikamentenunterstützung, und eine stationäre Aufnahme, für die statt der üblichen sechs bis acht Wochen nur zwei Wochen intensivster Therapie vorgesehen sind.

Knapp 300 Patienten wurden seit Start des Projekts 2011 behandelt. Der Erfolg: „Mehr als 80 Prozent der Patienten sind mittlerweile wieder erwerbstätig“, so Kahl.


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