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Meine Stadt Mobbing-Fantasien bei Regiobus?
Hannover Meine Stadt Mobbing-Fantasien bei Regiobus?
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00:17 12.08.2017
Ein Bus der Firma Regiobus.  Quelle: Jarolim-Vormeier
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hannover

Die NP fragte beim Arbeitsgericht Hannover nach. „Seit 2012 hat es 26 Kündigungsschutzklagen und drei Klagen gegen Abmahnungen gegeben“, so Direktor Kilian Wucherpfennig.

Für den erfahrenen Arbeitsrechtler Jens Klinkert ist diese Zahl „außergewöhnlich hoch“. Aus seiner Erfahrung müsste man mindestens noch mal so viele Arbeitnehmer annehmen, die in den Ruhestand oder mit Abfindungen aus dem Betrieb gedrängt wurden. „Wir wären dann bei acht Prozent der Gesamtbelegschaft. Ein absolut fatales Zeichen für die Unternehmenskultur“, sagt der Anwalt. Der NP sind auch mehrere Fälle bekannt, in denen unzufriedene Mitarbeiter aus freien Stücken oder in den Ruhestand gegangen sind.

Darauf angesprochen, dass ein Arbeitnehmer in drei Monaten 17 Abmahnungen erhalten habe (NP berichtete), meint Klinkert: „Das ist einzigartig.“ Allein die Summe für die Freistellung von Mitarbeitern in leitender Stellung dürfe in den vergangenen Jahren die Größenordnung von einer halben Million Euro erreicht haben.

Ein ehemaliger leitender Angestellter erzählt: „Es wurden Lügen gegen mich vorgebracht. Ich saß dann einem Tribunal von fünf Leuten gegenüber. Sie wollten mich aus der Reserve locken, damit ich Fehler mache.“ Es ist die Rede von „Angst, die im Betrieb verbreitet“ werde.

So wurde einem Mitarbeiter in leitender Stellung gekündigt, weil ihm die Firma versuchten Versicherungsbetrug vorwarf. Das Arbeitsgericht konnte das nicht feststellen, die Kündigung wurde aufgehoben. Wie so viele andere auch. Die Frage, warum Regiobus keinen Strafantrag gegen den Mitarbeiter stellte, blieb unbeantwortet.

Kommen Mitarbeiter nach jahrelanger Suspendierung wieder in den Betrieb, gelangen sie nicht wieder in ihre alten Positionen. In den vergangenen Wochen musste sich der Regiobus-Betriebsrat mit mehreren Versetzungsanträgen seitens der Geschäftsführung beschäftigen. Ein Aufsichtsratmitglied: „Der Umgang mit dem Personal muss sich ändern.“

Die Regiobus GmbH wollte sich „zu Fällen einzelner Arbeitsverhältnisse“ nicht äußern.
 

Von Thomas Nagel

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