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Meine Stadt Mit Perry Rhodan gegen den Krebs
Hannover Meine Stadt Mit Perry Rhodan gegen den Krebs
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09:15 08.04.2015
Der Autor Michael H. Buchholz nutzt ein Tablet zur Kommunikation. Er wartet auf eine Stimmprothese. Quelle: Behrens
Hannover

Sätze, die er in einer E-Mail schrieb, kurz vor unserem Besuch. Sprechen kann Michael Buchholz nicht, nur flüstern. Demnächst, so hofft er, werde er eine Stimmprothese erhalten. Bis dahin hilft ihm ein Tablet-PC, auf dem er Fragen schriftlich beantwortet. Schreiben ist sein Leben, heute mehr als jemals zuvor.

Schon als Siebenjähriger wollte er Abenteuerschriftsteller werden, so einer wie Karl May, dessen „Winnetou“ er verschlungen hatte, noch bevor er in die Schule kam. „Das Lesen habe ich mir selbst beigebracht“, tippt er. May und Tolkien, der Herr-der-Ringe-Schöpfer, waren seine Vorbilder. Reiseschriftsteller beide, der eine in imaginierten realen Welten, der andere in frei erfundenen. Mit 14 entdeckte er dann die Weltraumwelten des Perry Rhodan.

Aber er wollte nicht nur lesen, er wollte schreiben, wenn auch nur nebenbei. „Ich schrieb vor allem für die Tonne“, erinnert er sich. Aber das war in Ordnung. „Gutes Schreiben lernt man nur durch schlechtes Schreiben“ lautet sein Credo.
Sein Schreibtisch steht in der Mitte des Wohnzimmers. Ein paar Buddhafiguren lassen Sympathie für Fernöstliches erkennen. Von der Decke baumelt ein Delfinmobile. An dem Maritimen sei sein Vater schuld, so Buchholz: „Der war im Krieg U-Boot-Kommandant.“ Vielleicht rührt daher sein Faible für Raumschiffe, in denen es manchmal ebenso eng sein kann.

Als Hobbyautor machte sich Buchholz zusammen mit Kumpel Rüdiger Schäfer aus Sarstedt früh in Fan-Kreisen einen Namen: Die beiden setzten die Perry-Rhodan-Schwesterserie „Atlan“ mit Fan-Romanen fort. Atlan blieb er mit seiner ersten Profiarbeit im Science-Fiction-Genre treu: Als dessen Serie einen Neustart hinlegte, war er dabei. Parallel schrieb er an einem von Tolkien inspirierten Fantasy-Stoff. 2013 erschienen die ersten Bände seiner Gilwenzeit-Saga bei Bastei-Lübbe unter dem Pseudonym Robert M. Talmar.

Dann kam die Krankheit: „Lange Klinikaufenthalte, Luftröhrenschnitt, Chemo, Strahlentherapie – es nützte nichts. Der Krebs kehrte zurück.“ Im Folgejahr kam die Entfernung des Kehlkopfes. Zeitgleich berief ihn die Perry-Rhodan-Redaktion ins Autorenteam der Neo-Reihe. „Ich verfasste in einem Parforceritt meinen ersten Roman für diese Serie in den 14 Tagen vor der Operation.“ Allerdings nur zur Hälfte, mehr ging nicht. Sein alter Freund Rüdiger Schäfer, mittlerweile fester Autor im Rhodan-Kosmos, sprang ein und schrieb den Roman zu Ende.

Jetzt ist Buchholz zurück aus der MHH, der Krebs ist besiegt. „Das Schreiben ist und war meine Kraftquelle“, betont er. Seine Arbeit geht weiter. Nicht nur der Band Nr. 97, an dem er gerade arbeitet, auch weitere sind in Planung. Ab Band 101 soll er zusammen mit Rüdiger Schäfer sogar die Exposé-Arbeit übernehmen, also den Handlungsverlauf verantworten. „Die Krankheit, so schlimm sie war, hat mir zugleich meinen Lebenswunsch erfüllt“, schreibt er, „da ich meinen Brotberuf als Persönlichkeitstrainer durch den Stimmverlust nicht mehr ausüben kann, bin ich endgültig zum freien Autor avanciert.“

Andreas Krasselt

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