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Meine Stadt Mit 85! „Kiosk Erna“ geht in Rente
Hannover Meine Stadt Mit 85! „Kiosk Erna“ geht in Rente
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00:24 23.05.2014
HÖRT AUF: Erna Koch geht in den Ruhestand. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Viele nennen sie liebevoll nur „Kiosk Erna“, stolze 45 Jahre lang verkaufte sie Zigaretten, Bier und Zeitungen in ihrer „Trinkhalle“ in der Sallstraße (Südstadt). Aber jetzt ist Schluss mit Kiosk: Erna Koch (85) geht endlich in den wohlverdienten Ruhestand.

Mehrfach soll in den vergangenen Monaten bei ihr eingebrochen worden sein, sagt ein Nachbar. Sie wurde schon vor Jahren mit dem Messer bedroht und obendrein auch einmal von einem Dieb mit der Gaspistole angeschossen. Erna Koch trotzte den Überfällen und machte weiter.

Doch jetzt ist sie nicht mehr da. Jetzt hängt nur noch ein Schild im leergeräumten Schaufenster: „Mir geht es gut. Momentan habe ich eine Kur beantragt. Danach gehe ich in den wohlverdienten Ruhestand. Danke für die jahrelange Treue.“

Die Nachricht verbreitete sich in der Südstadt wie ein Lauffeuer: Erna Koch war für viele die „Rettung in der letzten Not“ gewesen. Die letzte Anlaufstelle, um nach Ladenschluss noch eine Schachtel Zigaretten, ein Feierabendbier oder eine bunte Tüte zu bekommen.

Alle in den Geschäften rund um Kochs Kiosk, eigentlich jeder in der Südstadt, kannte sie. Buchhändler Michael Steinberg wünscht „Alles Gute“. Backereiverkäuferin Ilona Bläsig sagt: „Das war fantastisch, was die alte Dame auf die Beine stellte.“ Modeschmuckverkäufer Werner Molik sagt: „Niemand hat den Ruhestand so verdient wie sie.“

Aber das Geschäft lief einfach nicht mehr so richtig – Supermärkte mit längeren Öffnungszeiten, Tankstellen und andere Lädchen waren eine starke Konkurrenz, wie Erna Koch immer wieder betont hatte. War sie am Ende sogar zu stark?

Koch hatte den Kiosk vor 45 Jahren mit ihrem Ehemann zusammen eröffnet. Der ist sehr früh verstorben. Erna Koch musste den Laden allein führen, um ihre drei Kinder durchzukriegen. Sie hat immer gekämpft, nie aufgegeben. „Sie brauchte den Laden, um den Kontakt mit anderen Menschen zu behalten“, erklärt Heiko Hoffmann.

Hoffmann lebt seit vielen Jahren im selben Haus wie Erna Koch. Er hat die alte Dame richtig liebgewonnen mit der Zeit. „Man kennt sich. Sie hat immer Pakete für mich angenommen. Dafür hab ich ab und zu bei ihr ein Bier oder eine Tüte Chips gekauft, um sie ein bisschen zu unterstützen“, sagt der Nachbar.

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