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Meine Stadt Mister Kino stirbt mit 67 Jahren
Hannover Meine Stadt Mister Kino stirbt mit 67 Jahren
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00:15 27.03.2017
SO ERINNERT MAN SICH AN IHN: Mister Kino Sigurd Hermes kurz vor seiner Verabschiedung in den Ruhestand. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Hermes war ein Filmverrückter der besonderen Art. „Filme sind ein Lebensmittel“, sagt er vor Jahren im Gespräch mit der NP, „wie das Brötchen zum Frühstück.“ Hermes hatte Kunst studiert, Design, Bildhauerei, Fotografie und natürlich Film. An der Hochschule für Bildende Künste (HBK) in Kassel. Dort, wo die Documenta auch schon zu seinen Studententagen das Kunstpublikum in Scharen anlockte. Und wo sich der Kunststudent Sigurd Hermes Anfang der 70er Jahre ärgerte, dass auf dieser wichtigsten Kunstausstellung des Landes der Film keine Rolle spielte.

Das sagte er auch dem damaligen Leiter der Documenta, Harald Szeemann. Und der sagte ihm: „Machen Sie mal.“ Hermes machte. Mit 21 Jahren wurde er Leiter der neuen Sektion Film auf der Documenta 5 im Jahr 1972. Ende 1973 machte ihn ein befreundeter Kunstprofessor auf die Ausschreibung der Stadt Hannover aufmerksam: Hier wurde ein Leiter für das neu zu schaffende Kommunale Kino gesucht. Hermes war wie geschaffen für den Job. Er bewarb sich und wurde genommen.

Als Leiter des KoKis hielt er immer nach neuen Namen in der Filmszene Ausschau, wollte aber auch die Filmgeschichte lebendig halten. Daneben wurden soziale oder politische Themen in Filmzyklen aufbereitet. 1979 startete er mit dem Perlen-Festival das älteste schwule Filmfestival Deutschlands. Er selbst liebte vor allem das italienische Kino.

Das KoKi-Prinzip: Alle Filme werden möglichst im Original gezeigt. Das gilt auch für Stummfilme. Das KoKi Hannover war das erste Filmtheater in Deutschland, in dem diese stummen Klassiker im Originaltempo laufen konnten – nicht selten mit Klavierbegleitung.

Seine 40 Jahre als KoKi-Chef waren reich an Höhepunkten. Vor allem Werkschauen und Filmreihen waren erfolgreich. François Truffaut etwa, der große Regisseur der französischen Nouvelle Vague, war schon etwas in Vergessenheit geraten, als ihn das KoKi mit einer kompletten Werkschau wieder ins Bewusstsein rief. Aufsehen erregte auch die Werkschau mit Filmen von Jean Renoir. Für sein Engagement wurde Hermes 1994 zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt.

Als Ruheständler hatte er trotz Erkrankung Pläne: „Endlich werde ich auch Zeit haben, ein Drehbuch zu schreiben“, sagte er damals. „Ich kann sehr gut Geschichten erzählen, warum soll ich das für mich behalten?“ Zur Premiere eines eigenen Films im Kommunalen Kino ist es nicht mehr gekommen. „Wir trauern um einen kritischen Cineasten, der Film gelebt hat“, würdigte Kulturdezernent Harald Härke den Verstorbenen. Die Stadt erinnert an ihn: Am 19. Mai heißt es um 19 Uhr „In Memoriam – ein Abend für Sigurd Hermes“ in „seinem Wohnzimmer“, im Kino im Künstlerhaus.

Von Andreas Krasselt

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