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Meine Stadt Missbrauch am Auto-Scooter
Hannover Meine Stadt Missbrauch am Auto-Scooter
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00:16 24.11.2016
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Hannover

Als Frank L. (40) den Gerichtssaal 2186 betritt, fragt er: „Gibt es auch einen Stuhl ohne Armlehnen?“ Der 200-Kilo-Mann hatte die Befürchtung, dass der Platz auf der Anklagebank für ihn nicht reichen könnte.

Dafür reichte der Platz auf seinem Schoss für zwei kleine Mädchen (elf und neun Jahre alt). Am 14. Mai hatte der schwergewichtige Mann die Kinder in das Kassenhäuschen eines Auto-Scooters auf dem Schützenfest in Stöcken geholt. Dabei berührte er sie im Genitalbereich und fragte, ob ihnen das gefalle. Gestern wurde Frank L. im Amtsgericht dafür zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Als Bewährungsauflage muss er jetzt eine Therapie machen.

Zu Beginn der Verhandlung wollte der Angeklagte nichts von den Vorwürfen wissen. Als Beleg für seine Unschuld führte er seine Fettleibigkeit ins Feld: „Wenn ich mich auf den Stuhl setze, dann sind die Oberschenkel bündig zur Kassenlade.“ Es könne aber sein, dass er ein Mädchen „unbewusst“, „aus Versehen“, „zufällig“ berührt habe.

Jugendrichter Ingo Augenreich wollte davon nichts wissen: „Ich verweise auf aktenkundige Vorgänge in der Vergangenheit.“ Dazu zählen eine Verurteilung wegen des Besitzes kinderpornografischer Bilder und ein Ermittlungsverfahren wegen eines Sexualdelikts. Außerdem habe Frank L. eine sehr junge Freundin. Der 40-Jährige ist mit einer 17-Jährigen liiert.

Diese Fakten ließ L. an seinem massigen Körper abperlen: „Ich denke nicht, dass ich ein Problem habe.“ Doch der Richter machte deutlich, dass es ohne Geständnis mit einer Bewährungsstrafe schwer werden könnte - und bewegte den Mann so noch dazu, die Anklage einzuräumen. Somit blieb den Kindern eine belastende Aussage erspart - und der Angeklagte kam mit einer vergleichsweise geringen Strafe davon.

Eine andere Bestrafung hat der ganz in Schwarz gekleidete Schausteller bereits erhalten. Der Vater eines der beiden Mädchen war so wütend über den Missbrauch, dass er sich den Koloss vorknöpfte. Er gab dem Angeklagten einen Fausthieb - mitten ins Gesicht. „Ich hatte zwei Wochen lang ein blaues Auge“, jammerte Frank L. dem Richter vor.

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