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Landgericht

Millionenklage gegen die MHH

Lisa Helms (Name geändert) kam mit einem schweren Hirnschaden in der MHH zur Welt. Das Gehirn hatte unter Sauerstoffmangel gelitten. Ein Ärztefehler? Selbst Gutachter sind in dieser Frage uneinig. Das Landgericht muss nun entscheiden. Gewinnt der Kläger, dann gehen die Kosten für Schmerzensgeld und lebenslange Pflege in die Millionen.

Hannover.  Manchmal sind es nur Stunden, die über Glück oder Unglück entscheiden. Wäre Lisa Helms (10, Namen geändert) vier Stunden früher zur Welt gekommen, hätte sie vielleicht eine unbeschwerte Zukunft vor sich gehabt. Doch sie ist ein Schwerstpflegefall. Jetzt verklagen ihre Eltern die MHH auf 525 000 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz. Auch die lebenslange Pflege und eine monatliche Rente wollen die Eltern vor dem Landgericht erstreiten. In der Millionen-Klage tobt ein Gutachter-Streit.

Am 14. Dezember 2006 bemerkte Anna Helms, dass ihr Baby sich nicht bewegte. Sie ging zum Arzt. Zwei Tage später wurde sie stationär in der MHH aufgenommen. Am Montag, 18. Dezember 2006, stand um 8.05 Uhr eine Ultraschalluntersuchung an.

Im Landgericht sagte ein Gutachter (68, Kinderarzt): „Der Befund war sehr auffällig.“ Die MHH-Ärzte hätten die Anämie (Blutarmut) des Fetus bemerken müssen. Ein anderer Gutachter (65, Frauenarzt) sieht hingegen keinen Fehler der MHH-Ärzte. Die fetomaternale Transfusion (Fetus verliert Blut an die Mutter) sei ein „hochseltenes Krankheitsbild“. Die Hinweise auf eine Anämie seien nicht eindeutig gewesen. „Das geburtshilfliche Vorgehen war aus meiner Sicht korrekt“, sagt der Frauenarzt.

Die hannoverschen Ärzte entschließen sich zu einer Nabelschnur-Punktion. Sie wollen den Hämoglobin-Wert im Blut des Fetus messen. Eine folgenschwere Entscheidung.

Bei der Punktion um 14.29 Uhr tritt eine Bradykardie (verlangsamter Herzschlag) auf. „Das Baby hatte sehr wenig rote Blutkörperchen, es war in einem sehr schlechten Zustand“, sagt ein dritter Gutachter (58, Kinderarzt). Als das Kind um 15.20 Uhr auf die Welt geholt wird, hatte es wegen Sauerstoffmangels einen massiven Hirnschaden erlitten, auch ausgelöst durch die Bradykardie nach der Nabelschnurpunktion. Der sachverständige Kinderarzt: „Ohne Nabelschnur-Punktion und bei einem früheren Kaiserschnitt wären die Schäden deutlich geringer ausgefallen.“

Fünf MHH-Ärzte waren im Prozess anwesend. Sie versuchten ihr Vorgehen zu rechtfertigen. 2006 der Geburt habe es noch keine Behandlungsleitlinie für die feomaternale Transfusion gegeben, meinte ein MHH-Professor. Antwort des Gutachters (68): Auch 2006 hätte diese Diagnose zum „Standard-Wissen“ einer Uni-Klinik gehören müssen.

Von Thomas Nagel


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