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Meine Stadt Microsoft-Masche: Täter erpressen Hannoveraner
Hannover Meine Stadt Microsoft-Masche: Täter erpressen Hannoveraner
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00:16 03.08.2017
Das LKA warnt vor solchen Betrügern.  Quelle: picture alliance / dpa
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Hannover

 Als das Telefon morgens um 8.30 Uhr klingelte, hatte Martin Röhrleef noch gute Laune. Das änderte sich schnell, als ein Mann in indisch klingendem Englisch erklärte, er rufe im Auftrag von Mi­crosoft an. Röhrleefs Computer sei infiziert, er würde Spam-Mails rausschicken. Aber er, der Anrufer, könne helfen. Martin Röhrleef (54) be­schimpfte den Mann, drohte ihm mit der Polizei und legte auf. Denn der Lindener kannte den Trick bereits. Dieser Anruf am Sonnabend erinnerte ihn an ein erstes entsprechendes Telefonat vor etwa drei Monaten: „Im Display erschien eine Telefonnummer mit Münchner Vorwahl.“ Ein Mann erklärte ihm in gebrochenem Deutsch, dass er von Microsoft sei, dass Röhrleefs Rechner Spam-Mails versende und er helfen könne. „Ich fragte ihn, woher ich wissen solle, dass er im  Auftrag von Microsoft anruft“, er­zählt der Verkehrsingenieur. Daraufhin habe der Mann ihm eine 16-stellige Nummer genannt und erklärt, dies sei die Lizenznummer seines Rechners und die könne eben nur Microsoft kennen. Was Röhrleef nicht wusste: „Diese Identifikationsnummer wird von den Anrufern als ,Computer License Software ID’ bezeichnet“, erklärt Nevin Ayyildiz, Sprecherin des Landeskriminalamtes (LKA). Tatsächlich handele sich um eine Zahlen-Buchstaben-Kombination, die auf allen Windows-Systemen identisch sei.

Das war Röhrleef zu dem Zeitpunkt nicht klar, aber er blieb misstrauisch, „vor allem, als der Anrufer sagte, ich solle eine Internetaufbindung aufbauen, damit er den Fehler beheben könne“. Der 54-Jährige verwies auf eine Verbindungsstörung und bot einen Rückruf an. „Das wollte er nicht, er würde wieder anrufen“, sagte er. Seine gleichzeitige In­ternetrecherche gab Röhrleef recht: „Microsoft ruft nie die Kunden an.“ Wäre Röhrleef auf den Betrüger eingegangen, hätte er, wie viele andere auch, sein blaues Wunder erlebt (siehe unten).

Dabei ist die Be­trugsgruppe bereits im vergangenen Jahr aufgeflogen. Im März 2016 gab es im indischen Kalkutta eine deutsch-indische Razzia, 250 „Ar­beitsplätze“ in einem Call-Center wurden hochgenommen, sieben Verdächtige verhaftet. Bis dahin „hatten wir niedersachsenweit 785 Strafanzeigen zu den Microsoft-Support- Anrufen“, berichtet Ayyildiz. 779 Niedersachsen waren Opfer der Betrüger geworden, bundesweit gab es mindestens 7647 Betrugsopfer. Nach dem internationalen Polizeierfolg seien die Fälle massiv zurückgegangen. Doch die Betrugsmasche ist einfach zu lukrativ. „Seit Beginn des Jahres 2017 ist wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen“, berichtet Ayyildiz. Seit März 2016 gebe es 430 Strafanzeigen.

Und was sollen Angerufene tun? Sich wie Martin Röhrleef verhalten, so die LKA-Sprecherin: „Am besten ist es, das Gespräch zu beenden.“

Von Petra Rückerl

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