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Meine Stadt Mertesackers emotionaler Weg zum Ehrenbürger
Hannover Meine Stadt Mertesackers emotionaler Weg zum Ehrenbürger
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00:17 30.03.2015
Ehrenbürger Per Mertesacker in Pattensen mit den Mädchen und Jungen, die ihm ein T-Shirt geschenkt haben.
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Pattensen

Ach ja, das mit den Emotionen ist so eine Sache. Insbesondere bei Männern - könnte man meinen. Per Mertesacker (30) ist da anders, ganz frei nach dem Motto „Was raus muss, muss raus“. So kam es, dass der Profifußballer gestern nicht mit Tränen geizte, als er in seiner Heimatstadt Pattensen die Ehrenbürgerwürde verliehen bekam. „Es ist ein besonderer Moment, so viele Leute wiederzutreffen, die mich auf meinem auch schwierigen und steinigen Weg bis zur WM begleitet haben“, sagte der 30-Jährige im Klubhaus des TSV Pattensen. Dem Verein, in dem für den Weltmeister einst alles angefangen hatte. Dann flossen sie wieder, die Tränen, die er sich aber ohne Scham mit einem Taschentuch aus dem Gesicht wischte.

Die geladenen Gäste (Familie, Freunde, Wegbegleiter) hatten sich schon daran gewöhnt: Für Mertesacker gab es schon kein Halten mehr, als Jürgen Stoffregen (58), sein einstiger A-Jugend-Trainer, die Laudatio auf seinen Schützling gehalten hatte. „Ich weiß nicht, wie ich das in zehn, 15 Minuten machen soll“, gab er zu. Es folgten sehr launige Augenblicke: „Per war immer der Letzte in der Kabine. Also hatte er immer Kabinendienst, kümmerte sich um den Wäschekorb und räumte Flaschen und Bananenschalen weg. Aber wie dein Vater dein Talent damals einordnete, will ich lieber nicht wiedergeben.“ Gelächter. Unübersehbar, wie nahe sich Trainer und Spieler standen - und immer noch stehen.

Der 58-Jährige überbrachte dem vorübergehenden Heimkehrer, Mertesacker lebt mit seiner Familie ja in London, auch Grüße: „Per ist ein sehr positiver, sympathischer und hochintelligenter Mann. Für mich und jeden Trainer ein Segen“, ließ etwa Ralf Rangnick (56, kennt Mertesacker aus seinen 96-Zeiten) ausrichten. Als „offenen Menschen, der immer bereit war dazuzulernen und die Dinge immer hinterfragt hat, um sie zu verbessern“ hatte Thomas Schaaf (53, trainierte Mertesacker bei Werder Bremen) Stoffregen als Gruß mitgegeben.

Ein Vereinsabzeichen schenkte Wolfgang Mehl, zweiter Vorsitzender des TSV Pattensen, dem Neu-Ehrenbürger - „falls du doch mal bei den Alten Herren antreten willst“. Einer brachte es abschließend auf den Punkt, Christian „Stolli“ Stoll (54): „Ich habe immer bewundert, dass du als Mensch so normal geblieben bist. Das liegt an deinen Eltern.“ Dass Bremens Stadionsprecher Mertes Mama Bärbel (56) aus Versehen Barbara nannte, hat ihm keiner übel genommen. Beim Vater stimmte der Name Stefan (61). Timo (27) war sichtlich ergriffen, als sein berühmter Bruder Worte an ihn richtete: „Du bist ein wichtiger Baustein in meinem Leben.“ Ein großes Kompliment kassierte der älteste der drei Jungs, Bruder Denis (34): „Dein Lebensweg ist beeindruckender als meiner. Die Gelassenheit habe ich von dir.“ Und: „Mama, du hast uns wohlerzogen, auch wenn es gekracht hat. Ich versuche viel von dem, was ich von dir gelernt habe, an meine Kinder weiterzugeben.“ Mertesackers Frau Ulrike (30) und die Kinder Paul (3) und Oskar (1) konnten aber leider nicht dabei sein.

Trotzdem dürfte es für den beliebten Menschen ein ganz besonderer Tag gewesen sein. Zu Recht!

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