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GEFRAGTE CEBIT-Gäste: Der Andrang der Journalisten ist groß, als Angela Merkel und Shinzo Abe (rechts, mit roter Krawatte) über die Cebit gehen.

GEFRAGTE CEBIT-Gäste: Der Andrang der Journalisten ist groß, als Angela Merkel und Shinzo Abe (rechts, mit roter Krawatte) über die Cebit gehen.
 © Foto: Dröse

Rundgang

Merkel auf der Cebit: „Ein historischer Tag“

Kanzlerin Angela Merkel und der japanische Premier Shinzo Abe haben die Cebit besucht – ein Rundgang, der völlig anders war als die meisten anderen.

hannover.  Am Ende gibt es einen Handschlag für die Fotografen, und dass man damit in die Geschichte eines Staatsbesuch einsteigt, sei diesen seltsamen Zeiten geschuldet. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der japanische Premier Shinzo Abe beim Rundgang auf der Cebit, der ist diesmal so weltpolitisch wie lange nicht – der dunkle Schatten von US-Präsident Donald Trump reicht auch in Hannovers Messehallen, dessen kalte Abfuhr für Merkel hörte beim verweigerten handshake ja nicht auf.

„Wir können nicht weltweit die Dinge vernetzen, und im Handel bauen wir wieder Barrieren auf“, fasst Merkel das Dilemma zusammen, das auf der Schau der grenzenlosen Möglichkeiten umso stärker drängt. Tags zuvor antworteten die japanische und deutsche Regierungen auf ihre Weise: mit der „Hannover-Deklaration“ bekannten sie sich zu einer engen digitalen Zusammenarbeit, eine Blaupause auch für die G 20-Präsidentschaft, der Deutschland gerade vorsteht. „Es geht hier nicht um Drohung“, sagt Merkel nach dem Cebit-Rundgang in einer Pressekonferenz – die Frage lautete, ob hier für Trump die Folterwerkzeuge ausgepackt werden. „Es geht darum, dass beide Länder die Globalisierung gut meistern.“

Die Japaner meinen es jedenfalls offensichtlich ernst: Mit mehr als 120 Ausstellern hat das Partnerland einen eindrucksvollen Cebit-Rekord aufgestellt, das Gedränge der Journalisten aus Fernost ist entsprechend. „Dies ist Ausdruck unseres Willens, mit Deutschland stark zusammenarbeit“, sagte Abe, „das ist ein historischer Tag.“ Und auch Merkel kann gefühlig: „Ich hoffe, Sie finden auch die Zeit, ein bisschen Hannover kennenzulernen“, wünschte sie den Gästen, von uns gibt es dafür ein Sternchen ins Heft.

Bei aller Bedeutungsschwere im Vor- und Nachgang: Beim eigentlichen Rundgang ist gepflegte Langeweile angesagt. Munter wird Merkel erst bei der Telekom – Station sechs – wo sie munter über Bandbreiten und Frequenzen parliert. Als Physikerin ist es zumindest so, dass sie nicht völlig unbedarft über die Cebit wandelt. Doch ihre Expertise hat sich noch nicht zu allen herumgesprochen: Vorsichtig fragt AVM-Gründer Johannes Lill , ob sie denn deren „Fritz!“-Router kenne. „Naja, die stehen ja in jedem Haushalt rum“, kontert sie trocken und schiebt eine Frage hinterher, die sich vermutlich schon viele gestellt haben: „Wie sind Sie denn eigentlich auf Fritz gekommen?“ Man wollte, so die Antwort, einen eingängigen Namen haben. Aha.

Die Deutsche Messe hat sich mit den Asiaten das perfekte Partnerland gesichert – immer wieder erzählen die Aussteller von ihren Geschäften bei den technikverliebten Japan, bei Sennheiser hätte Abe das neue, tragbare Konferenzsystem wohl am liebsten gleich mitgenommen, Merkel hingegen schlägt genau dieses immerhin 4000 Euro teure Geschenk aus: „Das soll mal das Kanzleramt selbst besorgen.“

Großes Interesse zeigt sie auch beim Passscanner von Dermalog. „Dann kann ich nicht mehr illegal nach Deutschland einreisen?“, scherzt Abe, ein etwas unbehaglicher Witz für Merkel, deren Flüchtlingspolitik bekanntlich immer noch für Kontroversen sorgt. Dermalog stattete im vergangenen Jahr auch tatsächlich die Ausländerbehörden mit Scannern für Fingerabdrücke aus. Vermutlich würde das sogar Trump gefallen.

Von fabian mast


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