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Die Babyklappe "Babykörbchen" befindet sich auf der Rückseite des Krankenhauses Friederikenstift in Hannover.

An der Babyklappe "Babykörbchen" auf der Rückseite des Krankenhauses Friederikenstift wurden seit 2001 zwölf Säuglinge abgegeben.

Ungewollte Schwangerschaft

Mehrere Neugeborene 2012 in Babyklappen gefunden

Verzweifelte Mütter können ihre Kinder an fünf Orten in Niedersachsen anonym in Babyklappen abgeben. Trotz Kritik will Sozialministerin Aygül Özkan an dem umstrittenen Angebot festhalten. Ihre Überzeugung: Babyklappen retten Leben.

Hannover/Npordhorn. In Hannover und dem übrigen Niedersachsen sind auch in diesem Jahr mehrere Säuglinge in Babyklappen abgelegt worden. Das Projekt Moses in Nordhorn zählte jeweils zwei Findelkinder 2012 und 2011. In der Babyklappe am Friederikenstift in Hannover wurden in beiden Jahren ebenfalls Neugeborene abgegeben - wie viele möchte der Betreiber nicht bekanntgeben.

Trotz Kritik will Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) das Angebot für Mütter in Not aufrechterhalten. "Wir haben den festen Standpunkt, Babyklappen retten Leben. Jedes einzelne Kind, das dadurch überleben konnte, rechtfertigt deren Existenz als Ultima Ratio", sagte Özkans Sprecher Thomas Spieker.

In Niedersachsen können Mütter ihre Babys in Hannover, Braunschweig, Rotenburg/Wümme, Nordhorn und Osnabrück anonym in Babyklappen legen. Hinter den meist an Kliniken oder Kinderheimen angebrachten Klappen befinden sich Wärmebettchen. Ein Alarm informiert sofort nach der Ablage einen Arzt oder eine Hebamme. Teilweise melden sich die Eltern und holen ihren Nachwuchs zurück, wenn nicht, werden die Findelkinder später zur Adoption freigegeben.

Die Kinderhilfsorganisation Terre des hommes fordert eine Abschaffung der Babyklappen. Das Angebot in einer rechtlichen Grauzone verhindere keine Kindstötungen, sondern sorge für einen Anstieg der Zahl der Findelkinder, sagte Sprecher Michael Heuer. Von 2001 bis März 2011 wurden nach Ministeriumsangaben 18 Jungen und Mädchen in niedersächsischen Babyklappen abgegeben. Bundesweit waren es seit Ende der 90er Jahre bis Juni 2010 nach einer Studie des Deutschen Jugendinstituts 278 Kinder in 60 Klappen.

"Ich fände es besser, wir bräuchten dieses Angebot nicht", sagte Mechthild Kopel vom Sozialdienst Katholischer Frauen in Nordhorn. Sie sei aber überzeugt, dass die Babyklappe Leben rette. Sieben Neugeborene wurden in dem Nordhorner Wärmebettchen seit 2001 gefunden. "In der Umgebung gab es seitdem keine Kindsaussetzungen oder -tötungen mehr", sagte die Sozialarbeiterin.

An allen Standorten ist die Babyklappe eingebunden in ein Netzwerk von Hilfen für ungewollt Schwangere. "Unser Anspruch ist, die Frauen vor der Geburt zu erreichen", betonte Judith Rohde, Koordinatorin des Netzwerks Notruf Mirjam in Hannover. Zu den Hilfsangeboten zählten Beratung und Begleitung, eine Unterkunftsmöglichkeit sowie Adoptionsvermittlung. Viele Frauen verdrängten oder verheimlichten ihre Schwangerschaft und meldeten sich erst wenige Wochen vor dem Geburtstermin.

Zwölf Kinder wurden seit 2001 in dem Babykörbchen in der Landeshauptstadt abgelegt. Nach dem tragischen Erfrierungstod eines Findelkindes vor fünf Jahren wurde die Klappe technisch verbessert. Die unbekannte Mutter hatte Anfang Januar 2008 nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft noch versucht, die klemmende Klappe zu öffnen und dann die Tasche mit dem Baby in der Nähe abgestellt. Damals stand der Fortbestand der Babyklappen infrage, doch die Träger im Land beschlossen weiterzumachen. Im September 2010 wurde sogar ein neues Babykörbchen in Rotenburg eröffnet, wo seitdem noch kein Säugling abgelegt wurde.

In der Osnabrücker Babyklappe fanden sich seit 2001 zwei Kinder, die inzwischen bei Adoptiveltern sind. Die Babyklappe in Braunschweig nahm vier Findelkinder auf, eins 2006 und drei 2008. Der Initiator Burkhard Budde, Vorstandsvorsitzender der evangelisch-lutherischen Diakonissenanstalt Marienstift, hält das Angebot trotz der wenigen Fälle für wichtig. So gebe es regelmäßig Führungen mit Schülern. "Die Klappe ist eine ständige Erinnerung, sich für Familien in Not einzusetzen. Sie hat auch einen gesellschaftspolitischen Sinn", sagte Budde. (dpa)


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