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Meine Stadt Maschseemord: Angeklagter schweigt
Hannover Meine Stadt Maschseemord: Angeklagter schweigt
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17:26 08.08.2013
Auf der Anklagebank: Der mutmaßliche Maschseemörder muss sich seit heute für die Tötung einer Prostituierten vor Gericht verantworten. Quelle: Treblin
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Hannover

Das Protokoll der Suche nach Leichenteilen im Maschsee lässt die abscheuliche Tat nur erahnen: Der 25-Jährige soll eine drogenabhängige Frau in seiner Wohnung erstochen, zerstückelt und die Körperteile in dem Gewässer versenkt haben.

Zunächst werden am 31. Oktober 2012 dem Polizeibericht zufolge ein Oberschenkel und ein Bein nahe eines Bootsverleihs entdeckt, später finden Taucher den Kopf des Opfers am Grund des Sees, verbunden mit einer Flex und den beiden abgetrennten Armen.

Neun Monate später zum Auftakt des Prozesses um den sogenannten Maschseemord blickt der Angeklagte direkt in die Kameras. Während die Staatsanwältin die Anklage vorliest, tupft er sich ab und zu mit einem Tuch den Schweiß von der Stirn. Ansonsten wirkt der fahle Mann mit den kurzrasierten Haaren und tiefliegenden Augen ziemlich unbeteiligt. In Prozesspausen löst er gar Kreuzworträtsel. Zu den Tatvorwürfen schweigt der mutmaßliche Mörder. Alles Nötige dazu werde sein Anwalt sagen, erklärt er etwas stotternd.

Dem 25-Jährigen wird vorgeworfen, die 44-Jährige aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. Die beiden hatten sich kurz vorher in Hannovers Rotlichtviertel kennengelernt. In der Wohnung des jungen Mannes in der Südstadt nahmen sie gemeinsam Drogen. Dann soll er sein Opfer erstochen haben, weil sie Sex mit ihm ablehnte. Er habe das "Gefühl des Tötens und Sterbens" miterleben wollen, sagt Staatsanwältin Maidie Schenk.

Die Eltern der getöteten 44-Jährigen und ihr 23 Jahre alter Sohn sitzen als Nebenkläger in der Verhandlung. Auch zwei Schwestern der Frau aus dem nordrhein-westfälischen Ibbenbüren lassen sich durch Anwälte vertreten. "Die Familie verkraftet es sehr schlecht. Sie war ein Zufallsopfer", sagt die Anwältin des Vaters, Nicole Thiele. Die 44-Jährige sei nach dem Scheitern ihrer Ehe in die Heroinsucht abgerutscht, habe aber stets guten Kontakt zu ihrer Familie gehabt. "Sie war zur falschen Zeit am falschen Ort", meint Thiele.

Der mutmaßliche Maschseemörder hat Vorstrafen wegen Körperverletzung und Drogendelikten. Seine Nachbarn im Mehrfamilienhaus hatten nach Medienberichten bereits öfter die Polizei gerufen, unter anderem weil der 25-Jährige mit Messern im Garten hantierte. Nach der Verhaftung wurden bizarre Details aus seinem Leben bekannt. So schrieb er Rapsongs und Gedichte über seine Gewaltfantasien und stellte sie ins Internet. In einem Song beschreibt er, wie er eine blonde Frau mit Brille misshandelt und tötet. Die Polizei überprüfte daraufhin, ob er etwas mit dem Tod einer Gelegenheits-Prostituierten Anfang 2010 zu tun haben könnte, die ebenfalls zerstückelt in einem Fluss unweit des Maschsees gefunden wurde. Dafür fanden sich aber keine Beweise.

"Er beging diese Tat auch, um in der Öffentlichkeit bekannt zu werden", sagt die Staatsanwältin. In der Vergangenheit stand er Berichten zufolge bei Poetry Slams auf der Bühne und wirkte als Darsteller in Doku-Soaps mit. Zudem soll sich der im ukrainischen Kiew geborene Deutsche als Wahlhelfer einer rechtsextremen Partei in Bremen betätigt haben.

Sollte der mutmaßliche Maschseemörder weiterhin schweigen, wird es auf einen Indizienprozess hinauslaufen. In der Wohnung des Angeklagten sicherten Polizisten mehr als 1000 Spuren. Auch an im Maschsee versenkten Werkzeugen - darunter Bügelsäge und Winkelschleifer - wurden Blutspuren gefunden. Der Prozess ist zunächst bis Oktober terminiert. 31 Zeugen und vier Sachverständige sollen gehört werden. Unter anderem soll ein Psychiater etwas zur Schuldfähigkeit des Mannes sagen.

dpa

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