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eRMITTLUNGEN: Im St. Martinshof soll ein Pfleger fahrlässig den Tod eines Bewohners verschuldet haben.

ERMITTLUNGEN: Im St. Martinshof soll ein Pfleger fahrlässig den Tod eines Bewohners verschuldet haben.

Ermittlungen

Martinshof in Hannover: Scheinheilige Trauerarbeit

In einem Aushang des St. Martinshofes ist von Betroffenheit und Bestürzung über den Tod eines Bewohners (83) die Rede. Anlass ist die NP-Berichterstattung über ein Ermittlungsverfahren. Ein Pfleger (44) soll den Tod fahrlässig verschuldet haben. Doch sind die Worte aufrichtig gemeint?

Hannover.  Späte Trauerarbeit: „Wir sind äußerst betroffen und sehr bestürzt über den Todesfall und die erhobenen Vorwürfe.“ So heißt es in einem Aushang des St. Martinshofes. Er richtet sich an Bewohner, Mitarbeiter und Angehörige des Seniorenzentrums.

Anlass sind die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen einen ehemaligen Pfleger. Er soll am 18. Oktober 2016 fahrlässig den Tod eines Bewohners (83) verschuldet haben. Er habe dem Senior beim Essen den Mund zugehalten , bis sich der Bewohner verschluckt habe und erstickt sei, lautet der Vorwurf. Die Ermittlungen laufen noch.

Die Betroffenheit wirkt zumindest aus Sicht der Angehörigen des Verstorbenen scheinheilig. „Wir sind vom St. Martinshof nicht über die Ermittlungen informiert worden“, empört sich eine Verwandte. Sie hatte von der NP erfahren, dass ihr Verwandter womöglich auf unnatürliche Weise ums Leben gekommen sei.

In dem Aushang betont das Evangelische Johannesstift (kaufte den St. Martinshof 2009 von der Caritas): „Es gibt kein Verfahren gegen den St. Martinshof.“

Allerdings könnte auch das Heim noch stärker in den Focus der Ermittler rücken. Nach NP-Informationen soll ein Augenzeuge des Geschehens vom 18. Oktober 2016 von Vorgesetzten beeinflusst worden sein. Ziel: Der Zeuge soll keine Aussage bei der Polizei machen. Das wäre Strafvereitelung. Noch gibt es keine Ermittlungen der Polizei in diese Richtung.

„Im Oktober des vergangenen Jahres verstarb ein Bewohner aus dem St. Martinshof. Die Todesursache ist unklar. In solchen Fällen ist es üblich, dass Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft ermitteln“, heißt es weiter in dem Aushang.

Hier wird der Eindruck erweckt, als handle es sich um Ermittler-Routine. Elf Monate nach der Tat ist das Verfahren allerdings längst über den Anfangsverdacht hinaus. Die Akten liegen bei einem medizinischen Gutachter. Er soll feststellen, wie der Senior ums Leben gekommen ist. Das geschieht nur, wenn eine Anklage zu erwarten ist.

Das Johannesstift teilte mit, dass Beschuldigte (44) für eine Zeitarbeitsfirma gearbeitet habe. Seine derzeitige Stellung sei dem Unternehmen nicht bekannt.

Von Thomas Nagel


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