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Meine Stadt Marstall: „Lage ist existenzbedrohend“
Hannover Meine Stadt Marstall: „Lage ist existenzbedrohend“
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18:14 21.02.2018
Schwierige Zeiten: Matthias Heese, der ein Fachgeschäft für Männerunterwäsche betreibt, kämpft mit den Folgen der Marstall-Baustelle. Quelle: Fotos: Behrens
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Hannover

 Schick soll der neue Marstall werden. Mit Brunnen. Mehr Grün. Eine Belebung der Altstadt verspricht sich die Stadt vom Umbau. Für viele Anlieger ist die Situation zurzeit aber vor allem eins: „Eine Katastrophe“, wie es Matthias Heese beschreibt. Er betreibt den Laden „Stefan am Marstall“, ein Fachgeschäft für hochwertige Männerunterwäsche. Seit mittlerweile zehn Jahren. Aber jetzt seien es die schwersten. „Die Lage ist existenzbedrohend“, berichtet Heese.

Wegen der Arbeiten auf dem Platz gibt es nur noch einen schmalen und unbefestigten Weg, über den die Geschäfte auf der Südseite des Marstalls zu erreichen sind. „Laufkundschaft gibt es im Grunde nicht mehr. Wenn ich nicht meine Stammkunden hätte, wäre schon längst Schluss“, sagt Heese, dessen Umsatz um 40 Prozent eingebrochen ist.

Nicht anders geht es Schneider Ralf-Volker Schmidt. Er ärgert sich, dass seine Kunden „nicht ohne dreckige Füße ins Geschäft kommen. Vor allem, wenn es geregnet hat, ist das hier richtig schlammig.“ Eigentlich sei versprochen worden, dass wenigstens Schotter verlegt wird: „Aber stattdessen haben die einfach den Dreck aus der Baugrube hierhin gekippt und festgeklopft.“

„Kein Entgegenkommen“ habe es seitens der Stadt gegeben, berichtet Schmidt. Er glaubt auch nicht, dass sich die Lage nach Fertigstellung des Platzes bessern wird: „Für das Auge wird es schön. Aber wir Anlieger profitieren nicht, weil der Großteil der Parkplätze vor unserer Haustür wegfällt.“ Der Schneider geht auch davon aus, „dass das hier Hannovers größtes Urinal wird“, er sieht schon „die Junkies morgens hier rumliegen“.

Verärgert zeigten sich die Anlieger auch darüber, dass die Baufirma schon Mitte Dezember, während des Weihnachtsgeschäftes, die Straße aufriss, dann aber bis vor einigen Tagen nichts mehr auf der Baustelle passierte. „Das ist wirklich dumm, wie die das gemacht haben“, sagt Taha El-Chafei, der im Smartphone-Reparaturladen am Platz arbeitet.

In seiner Verzweiflung hat Händler Heese an die Stadt geschrieben. Die Antwort von Stadtbaurat Uwe Bodemann hat ihm erst recht die Laune verdorben: Die Arbeiten am Marstall seien ordnungsgemäß koordiniert und ausgeführt worden. Aus seiner Sicht besteht „kein Anspruch auf Entschädigung“. Die Arbeiten hielten sich im zumutbaren Rahmen. „Ein gesunder Betrieb muss derartige Möglichkeiten vorher einkalkulieren“, schreibt Bodemann.

Von Christian Bohnenkamp

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