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Meine Stadt Marktkirche spendet 15 000 Euro an Kontaktladen Mecki
Hannover Meine Stadt Marktkirche spendet 15 000 Euro an Kontaktladen Mecki
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00:21 05.03.2018
Anlaufstelle: Ob für medizinische Versorgung oder einfach einen heißen Kaffee – der Kontaktladen Mecki am Raschplatz ist montags bis samstags immer morgens geöffnet.
Hannover

 Besser als im Krankenhaus sei die Behandlung hier, lobt Gerhard. Dick eingepackt, mit buschigen grauem Bart, die Kapuze seines grünen Parkas über dem Kopf, sitzt der Obdachlose an einem Tisch in der Ecke des Kontaktladens Mecki am Raschplatz und wärmt sich auf. Seine Krücken und sein Rollator stehen an der Wand neben ihm.

74 Jahre ist Gerhard alt, seit 1979 lebt er auf der Straße, übernachtet in Zügen. Eigentlich ist er fit, doch einige gesundheitliche Schläge musste er in den letzten Jahren einstecken. Eine Niere ist weg, eine offene Stelle in der Ferse – inzwischen ist er auf medizinische Versorgung angewiesen. „Ich komme oft hier ins Mecki, um die Verbände wechseln zu lassen. Außerdem gibt es noch Kaffee und einen Imbiss für uns Obdachlose.“

Medizinisch versorgt wird er im acht Quadratmeter großen Behandlungszimmer des Kontaktladens. Dort arbeiten im Schnitt fünf Helfer jeden Tag, unter ihnen auch Krankenschwester Franziska Walter – seit 27 Jahren. „Ein dickes Fell braucht man dafür nicht“, erklärt sie. „Aber Herzblut.“ Und finanzielle Unterstützung. Etwa durch Spender.

15 000 Euro brachte gestern Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann von Marktkirche mit Jörn Hilfrich vom Kirchenvorstand vorbei. „Ich bin sehr froh über diese Spende“, sagt Franziska Walter. „Das Geld bedeutet, dass ich niemanden wegschicken muss.“ Verbandsmaterial, Antibiotika – das Geld dafür sei immer knapp, erklärt die Krankenschwester. Vor allem, wenn es so kalt ist wie jetzt, kommt es zu Engpässen. Um die 20 Männer und Frauen kommen dann täglich für medizinische Versorgung. Vor allem Erkältungen und Hautkrankheiten lassen die Wohnungs- und Obdachlosen im Mecki behandeln.

Eine Krankenversicherung sei keine Voraussetzung, betonte Rainer Müller-Brandes vom Diakonischen Werk, das Träger des Kontaktladens ist. „Etwa ein Viertel unserer Besucher verfügt über keine.“ Auch er freut sich über die Unterstützung der Marktkirche. „Heute ist ein erfreulicher Tag“, dankte er den Spendern – die übrigens jedes Jahr eine üppige Summe vorbeibringen. Trotz einer Finanzspritze durch die Region von etwa 40 000 Euro im Jahr sei man dauerhaft auf Spender angewiesen. „Es ist nie genug“, so der Diakonie-Pastor. Als Kritik an dem Partner wolle er das aber nicht verstanden wissen. „Eine gute Zusammenarbeit mit der Region und der Stadt ist auch wichtig. Und die haben wir.“

Dem Vorwurf, die Kirche müsste sich mehr beteiligen, entgegnet Müller-Brandes: „Die Kirche zahlt als Träger des Diakonischen Werks unter anderem alle hauptamtlichen Helfer in unserer Obdachlosenhilfe in der Stadt. Insgesamt investiert sie einen siebenstelligen Bereich im Jahr.“ Und immerhin übernehme sie dabei auch öffentliche Aufgaben.

Mehr dauerhafte Unterstützung erhofft sich Müller-Brandes aktuell aber von der Landespolitik. „Im Koalitionsvertrag hat Schwarz-Rot bereits die Einrichtung von Hygiene-Centern mit Toiletten, Duschen, angekündigt. Genug Bedarf wäre da.“

Von Simon Polreich

Die Marktkirche hat zudem ihren Türen für Obdachlose in der Nacht geöffnet.

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