Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Mann verklagt Frau nach Sex-Verletzung mit Wattestäbchen
Hannover Meine Stadt Mann verklagt Frau nach Sex-Verletzung mit Wattestäbchen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:19 22.02.2018
Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Liebe kann wehtun. Doch während in Literatur und Musik eher der seelische Schmerz thematisiert wird, geht es Jan Müller (33, Name geändert) um ein bleibendes körperliches Leiden. Er hat seine Sexpartnerin verklagt. Dieser Prozess dürfte bundesweit einzigartig sein.

Am Montag akzeptierte Melanie Schmidt (Name geändert) einen Vergleich vor dem Amtsgericht. Sie zahlt 500 Euro.

Anwalt Matthias Doehring meinte zu Richter Frank-Michael Fraatz: „Ich erlebe be­ruflich immer wieder Dinge, die ich mir privat gar nicht vorstellen will.“ Sein Mandant hatte sich über das On­line-Portal „fetisch.de“ mit Melanie zu einem Sex-Date verabredet. Die sexuell aufgeschlossene Frau fragte: „Wo sind deine Grenzen?“ Seine Antwort: „Keine Schäden oder Blut. Voraussetzung ist, gesund zu bleiben.“

Am 11. Mai 2014 trafen sich die beiden in ihrer Wohnung. Die mollige Melanie saß rücklings auf Jan Müller. So konnte er wohl nicht se­hen, was sie vorhatte. Sie führte ein Wattestäbchen in seine Harnröhre ein. Die Folgen waren fatal: Der Mann leidet unter einer chronischen Blasen-, Harnröhren- und Prostata-Entzündung.

Bizarrer Sex mit langem juristischen Nachspiel: Ein Anwalt erklärte Jan Müller, dass eine Klage aussichtslos sei. Erst kurz vor der Verjährung schaltete das Fetischopfer Anwalt Doehring ein: „Voraussetzung für den Liebesakt ist grenzenloses Vertrauen. Das wurde im vorliegenden Fall missbraucht“, argumentierte der Jurist.

Richter Fraatz sah das Ganze eher sportlich: „Beim Fußball willigen sie ja auch nicht ein, dass sie verletzt werden.“ Trotzdem gebe es Verletzungen. Die Antwort des Anwalts: „Liebesspiel ist kein Kampfsport.“ Für den Richter war fraglich, ob nicht doch eine Einwilligung des Mannes vorlag: „Er war nicht gefesselt und auch nicht ohnmächtig. Man merkt doch, wenn da unten rumgefummelt wird.“

Dem widersprach der Anwalt. Die Frau habe dem Kläger nicht gesagt, was sie vorhabe. Und er habe vorher gesagt, worauf es ankomme: gesund zu bleiben.

Thomas Nagel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige