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Meine Stadt Mann vergewaltigte Frau im Schlaf
Hannover Meine Stadt Mann vergewaltigte Frau im Schlaf
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00:19 09.12.2018
In Handschellen: Muss der nächtliche Vergewaltiger ins Gefängnis? Quelle: dpa
HANNOVER

Das Glück schien perfekt: Christian B. (36) baute mit seiner Lebensgefährtin (31) ein Haus in Gehrden. Ihre Tochter (8) sagte „Papa“ zu ihm. Auch sexuell lief es sehr gut zwischen B. und seiner Frau. „Es war ein erfülltes Sexualleben, für jeden was dabei“, sagte die Lebensgefährtin am Donnerstag im Landgericht aus.

Doch Christian B. schien das nicht genug. Mehrmals machte er sich über seine schlafende Partnerin her. Sie sagte ihm deutlich, dass sie das unerträglich finde. Wegen besonders schwerer sexueller Nötigung einer widerstandsunfährigen Person wurde der Angeklagte im März 2018 vom Amtsgericht zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Nun also die Berufung vor dem Landgericht. Und Richter Martin Grote machte aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Das ist ein sehr ungewöhnliches Urteil.“ Ihn verblüffte, warum die Amtsrichterin nicht den minderschweren Fall geprüft habe. Zum einen haben sich die Taten in einer Beziehung abgespielt, zum anderen habe das Opfer keinen Interesse an der Bestrafung des Angeklagten. Und: Christian B. hat keine Vorstrafen und eine regelmäßige Arbeit mit gutem Einkommen (3000 Euro netto im Monat).

Das Ganze ist auch ein Paradebeispiel, wie ein schlechter Anwalt seinen Mandanten reinreißen kann. „Da ist das ganze Ding komplett aus dem Ruder gelaufen“, meinte Richter Grote zur ersten Instanz. Denn im Plädoyer meinte der Verteidiger, dass das Verhalten seines Mandanten „sozialadäquat“ gewesen sei. Opfer-Anwalt Matthias Waldraff am Donnerstag: „Der Rechtsanwalt und der Angeklagte haben das sexuelle Selbstbestimmungsrecht der Frauen in Frage gestellt.“ Sein Kollege habe sogar gemeint, dass das Sexualstrafrecht geändert werden müsse.

Christian B. (mittlerweile mit einem anderen Anwalt) scheint seine Fehler immer noch nicht einzusehen. Während der Aussage seiner einstigen Lebensgefährtin würdigte er sie keines Blickes. Obwohl sie kaum zwei Meter auseinander saßen, schaute er demonstrativ an ihr vorbei. Die erste sexuelle Nötigung habe sich vor Weihnachten 2015 zugetragen. Im März 2016 wiederholte er den Akt wider Willen. Am nächsten Morgen habe Christian B. zur Entschuldigung gesagt: Ich bin doch auch nur ein Mann, ich habe auch meine Bedürfnisse.

Nach dem vierten Übergriff verließ das Opfer den Angeklagten. Er war gegen die Trennung, manche seiner Entschuldigungen sind auf Whatsapps festgehalten. Er versprach: „Ich werde mich um 360 Grad drehen; ich weiß auch nicht, warum ich das mache.“ Nur aus Angst, dass er ihr im Streit das Haus leer räumt, ging die Frau zur Polizei. Eher beiläufig erzählte sie von den nächtlichen Sex-Attacken.

Nun sitzt Christian B. auf der Anklagebank und steht mit mehr als einem Bein im Gefängnis.

Von Thomas Nagel

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