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Meine Stadt Reisetagebuch Blantyre: Das Landleben
Hannover Meine Stadt Reisetagebuch Blantyre: Das Landleben
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00:19 13.10.2018
96 in Chingalire: Theresa hat durch Kleiderspenden ein Hannover 96-Fanshirt bekommen. Quelle: Michael Wallmüller
Chingalire

“The storm is over!“ mit dem Lied von R.Kelly aus dem Radio unseres Autos verlassen wir das Lake of Stars Festival, auf dem am Vorabend der Headliner Major Lazor Soundsystem bei orkanartigen Böen am feinen Sandstrand des Malawi-Sees den Besuchern eingeheizt hat.

Der Weg nach Chingalire ist gesäumt von weitem Land, vereinzelten Baobabbäumen, Tabakplantagen und durch das offene Fenster zieht Geruch von Holzfeuer durch den Bus. Ein Großteil der malawischen Bevölkerung kocht hauptsächlich mit Holz, was zum einen gesundheitliche Probleme mit sich bringt. Zum anderen führt der hohe Bedarf an Brennholz zu einer Abholzung der bestehenden Wälder, die noch Schutzräume für verschiedene Tierarten darstellen.

NP-Mitarbeiter Michael Wallmüller reist weiter durch Malawi. In Chingalire lernte er viel über das Lebenleben der Menschen – und über die Probleme dort.

Chief Ben Michael Mankambas Dorfgemeinschaft empfängt uns mit Gesang und traditionellem Tanz der Frauengruppe. In dem kleinen Dorf wurden vom Chief mit Hilfe des Freundeskreises Malawi e.V., Bingo! und viel Engagement der Bevölkerung ein kleines Grundschulgebäude gebaut. Um fremden Menschen das Landleben nahe zu bringen, wurde hier ein „Homestay“ eingerichtet, eine Form der Unterbringung von Reisenden, direkt bei der einheimischen Bevölkerung. Da die Erträge der Landwirtschaft selten bis zur nächsten Saison vorhalten, ist es schwierig für die Menschen dort, in den Wintermonaten ein Einkommen zu erwirtschaften. Für Chingalire konnte Silvia Hesse einen Berater organisieren, der der örtlichen Frauengruppe die Herstellung von einfachen Kochstellen aus Ton und deren Vertrieb erklärte. Umgerechnet 60 Cent bekommen die Frauen für solch eine Kochstelle. Die sogenannten „Chitetezo Mbaula“ benötigen weniger Holz und das Feuer lässt sich besser kontrollieren.

Schwere medizinische Versorgung

Hier lernen wir auch viel über die Gesundheitsversorgung auf dem Land: Dass für viele schwangere Frauen der Weg in das nächste Krankenhaus zu weit ist und dass seit der Eröffnung einer Kleinkinderklinik, die an drei Tagen in der Woche geöffnet hat, sich die Bevölkerung rund um Chingalire knapp verdoppelt hat – die Menschen hier auf dem Land kommen nur schwer an eine professionelle medizinische Versorgung.

Mäuse dienen als Eiweißquelle

In der nächstgrößeren Grundschule, die eine gute halbe Stunde Fußweg entfernt liegt, stellen die Schüler einige Bilder zum Thema Umweltzerstörung durch Waldrodung und Herstellung von Kohle vor. Bei der anschließenden Fragerunde wollen die Kinder etwa wissen, ob Europäer auch Mäuse essen. In Malawi müssen die Nager – mangels Alternativen auf dem Land – als Eiweißquelle herhalten. Zuletzt lernen wir noch etwas über die Herstellung von Erdnussbutter – dann macht sich die Reisegruppe wieder auf den Weg, um weitere interessante Teile dieses vielfältigen Landes kennen zu lernen.

Von Michael Wallmüller

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