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Meine Stadt Magische Momente beim Kleinen Fest im Großen Garten
Hannover Meine Stadt Magische Momente beim Kleinen Fest im Großen Garten
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19:58 11.07.2018
Hannover

Campingstühle, Regenjacken, Matsch und Musik – es ist Festivalsaison. Doch dieses Festival ist anders: keine harte Gitarrenmusik und kein Dosenbier – stattdessen facettenreiche Kleinkunst-Magie und liebevolle Picknickarrangements in einem der bedeutendsten Barockgärten Europas. Das „Kleine Fest im Großen Garten“ feierte gestern den Auftakt des 16-tägigen varietistischen Open Air-Events, grau und wolkenverhangen, aber nicht minder bunt und vielfältig. Bereits zum 33. Mal heißen die Herrenhäuser Gärten Kleinkunstfans und Freiluftverehrer willkommen. Die Eintrittskarten sind wie immer begehrt, sodass ein Losverfahren über das Ticket-Glück entscheiden musste. Auf 36 Bühnen zeigen auch dieses Jahr etwa 100 Künstler aus allen Teilen der Welt ihr besonderes Talent.

Viele Besucher bringen sich ihre Getränke und ihren Proviant für den rund vierstündigen Abend selbst mit. Eine kleine Gruppe hat ihren Esstisch mit einer weißen Tischdecke dekoriert. Sie nutzen richtiges Geschirr und trinken Wein aus Gläsern. Das ist die Definition der Festivalgänger-Generation jenseits der Zwanziger: selbstmitgebrachtes Mehrgang-Menü statt Dosenravioli. So kennt und liebt man das Kleine Fest. Wer es sich nicht gerade gemütlich gemacht hat, der erkundet. Wie in einem Märchen, wie in „Alice im Wunderland“ wandert der Besucher durch das verworrene Hecken-Labyrinth des Barockgartens, vorbei an farbenfrohen Blumenbeten und ausdrucksstarken Statuen.

Fotos: Schaarschmidt, Dröse

Auf welche wunderbare Kuriosität er am Ende des gewählten Weges stößt, macht den reizvollen und fast magischen Moment der Idee des Kleinen Festes aus. Irgendwo in der Ferne hört man lautes Klatschen. Hinter der Hecke ist lautes Gelächter zu vernehmen. Staunen und Raunen aus allen Himmelsrichtungen. Man kann auf eine verträumte Nymphe in einer großen, beweglichen Glaskugel oder eine Katzenclique mit Maus an der Leine treffen. Wählt man einen anderen Pfad, so verschlägt es einen in eine orientalische Zeltlandschaft, oder man landet direkt vor dem Pavillon von Claudia Schnürer, die die Ankömmlinge einlädt, ihr beim  Vorlesen zu lauschen.

Ob Akrobatik, Comedy oder Zauberei, ob laut, quirlig und bunt oder zart, romantisch und leise – jeder, aber auch wirklich jeder Besucher findet seinen Weg, seinen Act – ganz nach seinem Geschmack. Gekrönt wird der Abend traditionell von Illuminationen und einem Feuerwerk, das zum Garten gehört wie die Keule zum Jongleur.

Nach den starken Schauern am Dienstag sind die Befürchtungen zunächst groß, dass die Bühnen auch am Mittwochabend unter Regenwasser stehen könnten und Programmpunkte unterbrochen werden müssen. Doch am Nachmittag stoppt der Niederschlag zunächst, nicht jedoch die Nervosität: Festivalleiter Harald Böhlmann, auch besser bekannt als „der Mann mit dem Zylinder“, stehe im direkten Austausch mit der Wetterstation des hiesigen Flughafens, heißt es. Er habe sein Auge stets auf drohende Regenfronten gerichtet, um seine Besucher aktuell mit allen Wetterinformationen und möglichen Zeitplanaktualisierung versorgen zu können. 

Auch die kleine Gruppe an ihrem Esstisch mit dem richtigen Geschirr bleibt beharrlich sitzen – trotz des trüben Wetters. Für eine solch vielseitige, zauberhafte und detailverliebte Veranstaltung lohnt sich das eben.

Aline Westpfahl

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