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Meine Stadt MHH-Experte: Erfrieren ist ein qualvoller Tod
Hannover Meine Stadt MHH-Experte: Erfrieren ist ein qualvoller Tod
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14:47 03.03.2018
Obdachlose schlafen unter einer Brücke nahe des Hauptbahnhofes . Quelle: (c) Schaarschmidt
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Hannover

Bereits fünf wohnungslose Menschen sind in diesem Winter in Deutschland gestorben. Der erste Todesfall passierte Anfang November in Hannover: Ein 60 Jahre alter obdachloser Pole kam in der Kälte ums Leben (NP berichtete). Erst am Montag starb eine 55-Jährige in einem Waldstück bei Leipzig. Auch sie: obdachlos und erfroren. In den vergangenen 25 Jahren sind in Deutschland nach Angaben des Straßenmagazins „Asphalt“ insgesamt rund 300 Obdachlose in der Kälte gestorben.

Obdachlose müssten im Winter auch tagsüber untergebracht sein

Ein Tod, der qualvoll ist, sagt der MHH-Rechtsmediziner Detlef Günther. „Wenn man ins Eis einbricht und das Wasser nur fünf Grad hat, dann kann man sehr schnell erfrieren. Aber bei Menschen, die im Winter Tag und Nacht draußen sind, kann das Sterben Stunden dauern“. Werena Rosenke, Ge­schäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, mahnt daher: „Man kann auch tagsüber erfrieren.“ Es reiche deshalb nicht aus, nur nachts Unterkünfte anzubieten und die Obdachlosen morgens wieder auf die Straße zu schicken.

Bevor der Tod in der Kälte eintritt, würden die Betroffenen nicht mehr zittern, weil der Körper völlig erschöpft sei, erklärt der Rechtsmediziner. Die Ob­dachlosen seien schläfrig, verwirrt und teilnahmslos. Blutdruck und Puls fallen deutlich ab. Günther: „Und dann kann man sich nicht mehr selbst helfen und nimmt dies auch nicht mehr bewusst wahr.“

Den meisten ist subjektiv sehr warm, bevor der Kältetod kommt

Wenn die Körpertemperatur unter 27 Grad Celsius fällt, sei das „mit dem Leben nicht mehr vereinbar. Da ist die Grenze erreicht.“ Die meist tödlichen Folgen: schwere Herzrhythmusstörungen, Kammerflimmern, Herzstillstand und der Zusammenbruch des Organismus.

Ein paradoxes Phänomen, das bei vielen vor dem Kältetod eintritt, heißt Kälteidiotie: „Trotz der Unterkühlung ist dem Menschen subjektiv plötzlich ganz warm. Die unterkühlten Menschen beginnen tatsächlich zu schwitzen und ziehen sich aus.“ Auch der im November in Hannover erfrorene Pole soll daran gelitten haben.

Doch für Laien sei es nicht leicht festzustellen, ob eine betroffene Person überhaupt noch lebt oder bereits tot ist, da man es nur mit sehr reduzierten Lebenszeichen zu tun habe. Der Experte rät daher für den Notfall: „Decke oder eigene Jacke drüber und sofort den Rettungsdienst rufen.“

Von Britta Lüers

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