Navigation:
VERZWEIFLUNG: Ärzte in Westafrika versorgen eine Ebola-Patientin.

VERZWEIFLUNG: Ärzte in Westafrika versorgen eine Ebola-Patientin.© Ahmed Jallanzo

|
Forschung

MHH-Arzt bekämpft das Todesvirus

Händeringend suchen Mediziner weltweit ein Mittel gegen Ebola. Dabei könnte es bereits seit Jahren ein Medikament geben, das die Erreger wirksam aufhält. Thomas von Hahn sucht im Institut für Molekularbiologie der Medizinischen Hochschule Wirkstoffe gegen die Seuche und ist fündig geworden: Amiodaron, ein Medikament gegen Herzrhythmusstörungen, könnte der Schlüssel zum Sieg über das Virus aus Afrika sein.

Hannover. Der US-Arzt Kent Brantly hat das Horrorvirus Ebola besiegt. Der 33-Jährige, der sich in Liberia ansteckte, darf nach Wochen der Todesangst vollständig geheilt wieder in den Kreis seiner Familie. In den Quarantäne-Gebieten in Westafrika haben die meisten Erkrankten nicht so viel Glück. Mehr als 1300 Patienten verloren bisher ihr Leben. Die Todesseuche ist nur schwer heilbar, die Überlebenschance liegt häufig nur bei 20 Prozent. Doch auf der Suche nach Medikamenten macht die Wissenschaft Fortschritte - und ein Arzt aus Hannover weckt neue Hoffnung, in Zukunft das Virus unschädlich machen zu können.

Thomas von Hahn

In der Theorie ist das Ebola-Virus gar nicht einmal sonderlich schwierig zu behandeln. Anders als das HI-Virus, das sich in das Genom der menschlichen Zelle einnistet, ständig seine Form verändert und so die Bekämpfung verhindert, „hat Ebola keine besonderen Tricks auf Lager, die es generell schwierig machen zu behandeln“, sagt Thomas von Hahn, Arzt am Institut für Molekularbiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Wieso also gibt es noch keinen wirksamen Schutz und keine Behandlung? Weil es sich wirtschaftlich nicht lohnt.

Aktuell erlebt die Welt den schwerwiegendsten Ebola-Ausbruch aller Zeiten. Und doch sind 1300 Tote im Vergleich zu den jährlichen Opferzahlen von Tuberkulose oder Malaria fast verschwindend gering. Dem gegenüber stehen Forschungskosten von knapp einer Milliarde US-Dollar, derer es bedarf, um ein Medikament von der Entdeckung bis zur Zulassung und Produktion zu bringen. „Es ist nun einmal nicht die Aufgabe eines Pharmakonzerns, eine Milliarde Dollar einem karitativen Zweck zuzuführen. Das hat nichts mit Böswilligkeit zu tun“, sagt von Hahn.

In seinem Labor in Hannover hat er einen anderen Weg eingeschlagen. Der Hannoveraner ging der Frage nach, ob es nicht bereits Medikamente geben könnte, die für die Behandlung anderer Krankheiten zugelassen sind, quasi aber als Nebenwirkung auch Ebola heilen können. Und der Mediziner hat erstaunliche Entdeckungen gemacht. Amiodaron - ein Mittel, das bei Herzrhythmusstörungen eingesetzt wird - blockiert auf der Zelloberfläche Ionenkanäle und verhindert so offenbar das Eindringen des Ebola-Erregers. Die Folge: Das Virus kann sich nicht weiter vermehren. In Tierversuchen haben die Forscher bereits erstaunliche Ergebnisse erzielt. Ob das Mittel aber auch im menschlichen Organismus wirkt? „Es gab schon genug Ansätze bei Medikamenten, die in Zellkulturen und auch in Tierversuchen gut aussahen, beim Menschen hingegen schlimm schiefgegangen sind“, sagt Thomas von Hahn. Contergan, ein millionenfach verkauftes Beruhigungsmittel, führte zu Fehlbildungen von Säuglingen. Und das, obwohl die Tierversuche ebenfalls gute Daten geliefert hatten.

Der US-Arzt Brantly wurde mit dem Mittel Zmapp behandelt - ein Medikament, das ebenso meilenweit von der regulären Zulassung entfernt ist. Offenbar aber hat es geholfen, oder? „Die Tatsache beweist noch überhaupt nicht, dass das Medikament wirkt. Die Todesrate von Ebola liegt zwischen 50 und 80 Prozent, nicht alle Ansteckungen enden tödlich. Niemand weiß, wie die Krankheit ohne Zmapp verlaufen wäre“, sagt von Hahn. Er ist jedoch überzeugt, in Kürze ein Heilmittel auf dem Markt zu finden. „Es musste jedoch leider erst zur Katastrophe kommen, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen“, sagt er. Wenn Europa oder Nordamerika betroffen wäre, würde es wahrscheinlich längst Therapien geben: „Es ist halt immer eine Frage des Geldes.“


Anzeige
Bildergalerien Alle Galerien
Was ist Ihre Wunschkoalition für Niedersachsen?

City Click

"Märchenhafte Stimmung über dem Tiergarten" - so betitelte NP-Leserin Catharina Cordes ihr Foto. In der Tat: Ein märchenhaftes Bild.

zur Galerie

Schicken Sie uns Ihren City Click!

Haben Sie ein tolles Motiv fotografiert? Die Redaktion wählt mehrmals pro Woche die schönsten Leserfotos aus und veröffentlicht sie in der City Click Galerie.

Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok