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Meine Stadt Loveparade: Als Hannovers Helfer selbst Hilfe brauchten
Hannover Meine Stadt Loveparade: Als Hannovers Helfer selbst Hilfe brauchten
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15:25 27.07.2010
Trauer im Internet um die Opfer der Loveparade Quelle: dpa

Diese Hilflosigkeit macht den Helfern nach dem Einsatz zu schaffen. Das berichtet der stellvertretende Bezirksgeschäftsführer des Malteser Hilfsdienstes Bezirk Hildesheim, Jens Engel, am Dienstag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Hannover.

„Während des Einsatzes wird das Umfeld gar nicht wahrgenommen, sondern professionell gearbeitet.“ Erst im Nachhinein berichten Helfer, dass viele Bilder wie das Heulen der Martinssirenen gar nicht aus ihrem Kopf verschwinden. „Das sind die Erscheinungen, die wir begleiten müssen“, sagte Engel. Den Helfern im Alter von 18 und Anfang 30 Jahren standen noch in der selben Nacht Notfallseelsorger zur Verfügung.

Die Vorbereitung auf solche Situation wie in Duisburg sei „sehr, sehr schwierig“, sagte Engel. Wichtig sei erstmal die Grundausbildung, das heißt die medizinische Ausbildung. „Die muss so professionell sein, das jeder Helfer einfach wirklich jeder Situation gewachsen ist. Und im Geschehen des Helfens sich nicht allein fühlt oder sich selbst hilflos fühlt“.

Außerdem üben die Malteser immer wieder mit den Helfern und anderen Hilfsorganisationen sogenannte Groß-Schadensereignisse. „Es werden Szenarien aufgestellt, in denen dann einfach geübt wird“, sagte Engel.

Aber wenn die Helfer selber Hilfe benötigen, stehen ihnen unter anderem Psychologen zur Seite. „Aber ich glaube, dass ist der zweite oder dritte Schritt. Im ersten Schritt ist erstmal zu gucken, wer fühlt sich wie, wer braucht welche Hilfe“, sagte Engel. Die werde dann ganz individuell gestaltet.

Er und seine Kollegen legen jetzt ein Augenmerk darauf, wer zu den einberufenen Treffen nach dem Einsatz bei der Loveparade kommt und wer nicht. Sie achten zudem darauf, wer sich besonders ruhig verhält. „Auf diese Menschen müssen wir besonders aufpassen.“

Bei der Loveparade in Duisburg hat es nach Angaben der Polizei bei einer Massenpanik mindestens 15 Tote gegeben. Vor dem Eingang zum Gelände sei es bei den Wartenden in einem Tunnel zur Panik gekommen.

Fälle von posttraumatischen Störungen sind Engel nach normalen Rettungsdiensten bekannt. „Da haben wir schon auch Mitarbeiter, die nach einer bestimmten Einsatzzeit, nach einer bestimmten Berufsdauer ihre Probleme bekommen. Die dann besondere Betreuung brauchen.“ Die Kollegen müssen in psychologische Betreuung und haben „sehr, sehr viel Gesprächsbedarf“.

Auch in den nächsten Tagen und Wochen werden die Helfer in Gruppen- und Einzelgesprächen das Erlebte besprechen und versuchen, dieses zu verarbeiten. Unterstützt werden sie von Psychologen und Pädagogen.

Nach der Massenpanik bei der Loveparade am Samstag stieg die Zahl der Todesopfer auf 20 Menschen. 511 Menschen wurden verletzt. Zu der Panik unter den Besuchern war es vor dem Loveparade-Gelände am ehemaligen Güterbahnhof in einem Tunnel gekommen.

Vor dem eingezäunten Gelände des Güterbahnhofs hatte sich der Besucherstrom gestaut, einige wollten auch schon wieder nach Hause. Der Tunnel war dabei ein Nadelöhr. Als es um 17 Uhr zur Abschlusskundgebung kam, entstand Gedränge unter Besuchern, die schnell auf das Gelände wollten. Nach Schätzungen waren auf dem Loveparade-Gelände und der Umgebung mindestens eine Million Menschen unterwegs. Aus Sicherheitsgründen wurde die Loveparade zunächst nicht abgebrochen.

Hier gehts zum Internet-Kondolenzbuch für die Opfer von Duisburg

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