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„Für meine Mitarbeiter tue ich alles“: Lorenz Hansen, Chef der Gundlach-Gruppe, wurde zum Unternehmer des Jahres gekürt.

„Für meine Mitarbeiter tue ich alles“: Lorenz Hansen, Chef der Gundlach-Gruppe, wurde zum Unternehmer des Jahres gekürt.

Gundlach-Chef mit sozialem Herz

Lorenz Hansen wird Unternehmer des Jahres

„Für meine Mitarbeiter tue ich alles“: Lorenz Hansen, Chef der Gundlach-Gruppe, wurde zum Unternehmer des Jahres gekürt.

Gut fünf Jahre ist Lorenz Hansen (38) Chef der Firmengruppe Gundlach, gegründet 1890 vom Ur-Urgroßvater. In dieser nicht allzu langen Zeit am Steuer hat er als Spross der vierten Generation offenbar schon deutlich gezeigt, was für ihn Unternehmenskultur bedeutet, wie er soziale Verantwortung wahrnimmt, wie er sie gegenüber den rund 140 Mitarbeitern und der Öffentlichkeit lebt, was hinter seinem Verständnis von Nachhaltigkeit steckt, wie er Ökonomie und Ökologie unter einen Hut bringen will. Darum ist der ausgebildete Architekt jetzt von den hannoverschen Wirtschaftsvereinen „Die Familienunternehmer“ und „Die jungen Unternehmer“ zum Unternehmer des Jahres gekürt worden. Zu den bisher zwölf Geehrten zählen etwa Martin Kind, Dirk Roßmann und Robert Andreas Hesse.

„Das ist kein Preis für ein herausragendes Ereignis im vergangenen Jahr – wir haben eine langfristige Denke, nicht quartalsweise wie Dax-Konzerne“, sagt Kay Uplegger, Regionalchef der verleihenden Vereine, „uns geht es um die langfristige Unternehmensausrichtung, um Verantwortung gegenüber Mitarbeitern – da ist der Umgang in Deutschland durchaus rüde geworden. Und das Unternehmen muss seinen Sitz in der Region haben und in ihr verwurzelt sein – das ist hier mit Sicherheit der Fall.“ Geld gibts nicht als Preis, dafür eine Nana-Figur, die „das Büro jedes Unternehmers schmückt“. Hansen fühlt sich „sehr geehrt, ich bin ja noch jung und nicht so lange im Geschäft“. Im Gegensatz zum Unternehmen, das schon 123 Jahre existiert und heute 4000 eigene Wohnungen vermietet: „Unsere Geschichte ist auch Stadtgeschichte.“ Von seinem Vater Peter Hansen habe er gelernt, immer auch die sozialen Aspekte unternehmerischen Handelns im Auge zu haben – das könne ein Familienunternehmen besser angehen als etwa eine börsennotierte AG: „Man macht das dann einfach.“ Und so habe Gundlach etwa zusammen mit der Diakonie im Projekt „Soziale Wohnraumhilfe“ Obdachlosen Wohnraum verschafft und Prostituierten auf der Flucht ebenso wie ehemaligen Strafgefangenen geholfen. Und am Firmensitz in der List steht eine auch für die Öffentlichkeit zugängliche Kita kurz vor der Eröffnung – „einer meiner ersten Träume“, freut sich Hansen.

Von der Kulturauffassung in der Chefetage profitiert auch die Belegschaft: „Für die Mitarbeiter tue ich so ziemlich alles.“ Da gibt es nicht nur Yoga, Rückenfitness, Seminare oder Wasser und Obst: „Wir beteiligen die Mitarbeiter an der Strategiefindung“, sagt Hansen. Das geschehe in Workshops, wo „wir alle am Tisch sitzen und diskutieren. So lange, bis was rauskommt – und das schmerzt mitunter auch.“ Der Vater zweier Kinder fröhnt gern dem Sport, neben Segeln, Surfen und Inliner-Skaten vor allem dem Laufen. Ausgleich und Abschalten sind ihm wichtig: „Darauf lege ich Wert. Wenn hier um 21 Uhr noch einer sitzt und arbeitet, kriegt er Ärger. Auch, wenn mir ein Mitarbeiter am Wochenende eine E-Mail schreibt.“

Dass diese Kultur, dieses Engagement möglich ist, dafür sorge auch die Gesellschafterstruktur, die nur aus der Familie besteht: „Wir sind ein sehr konservatives Unternehmen, etwa wenn es um Finanzierung geht“, versichert Hansen. Das sorge für eine „gesunde, solide Basis und macht uns stark“, keiner ziehe Geld aus dem Unternehmen: „Von uns hat keiner einen Porsche in der Garage, auch keine Villa am Mittelmeer.“

Der junge, autolose Chef selbst fährt meist mit den regionalen Öffis zur Arbeit, auch mal mit dem Rad oder einem Seagway-Elektroroller, und ist viel mit dem Zug unterwegs. Die ökologische Ader zeige sich nicht nur darin, dass Gundlach in Hannover seit Mitte der 1990er Jahre einen Ökologiebeauftragten habe und „wir die Ersten waren, die Passivhäuser gebaut haben“, sondern auch daran, dass zur Firmenflotte zwei Fahrzeuge von Stadtmobil zählen (Teilauto, Car-Sharing), die nach 17 Uhr von Externen buchbar sind. Und daran, dass die Firmengruppe jüngst zwei Windräder gekauft hat: „Wir sind bald das erste CO2-neutrale Unternehmen der Immobilienwirtschaft.“

Das ist Gundlach

Die Unternehmensgruppe hat ihren Keim in dem 1890 vom Maurergesellen Friedrich Gundlach gegründeten Handwerksbetrieb. Seit den 1930er Jahren wandelte der eingeheiratete Friedrich Otto – er galt als „kreativer Bauingenieur mit unternehmerischem Wagemut“ – die Firma vom Maurerbetrieb und Baugeschäft zum schlüsselfertig bauenden Generalunternehmen. Anfang der 1970er Jahre übernahmen die Töchter Ottos, Ursula Hansen und Helga Schmidt mit dem Kaufmann Peter Hansen die Führung. 1978 wurde Architekt Wolf Berthold in die Unternehmensführung berufen; er engagierte sich besonders in der Projektentwicklung und entwickelte die Sparte „Gewerbliche Immobilien und Makler im Bauträger“; 2008 ging er in den Ruhestand. Seither leiten Lorenz Hansen und Frank Eretge die Gruppe. Gundlach vermietet etwa 4000 Wohnungen und beschäftigt rund 140 Menschen. Bekannte Projekte: „Habitat“ auf dem Kronsberg, die Europahaus- Siedlung Laatzen und die Regenbogen-Siedlung in Misburg. Aktuell plant das Unternehmen 50 neue Wohnungen in Maschseenähe – am ehemaligen Standort der Regionaldirektion der Arbeitsagentur.

NP-Visitenkarte: Lorenz Hansen

Lorenz Hansen ist am 14.April 1974 geboren, einziges Kind von Peter (73) und Ursula Hansen (73). Sein Vater war vor ihm Geschäftsführer der Gundlach-Gruppe, seine Mutter lehrte Marketing und Konsum an der Uni Hannover. Er hat einen Sohn (14) und eine Tochter (10). Hansen hat neun Jahre eine Waldorfschule besucht und war nach dem Abitur Zivi im Kinderkrankenhaus auf der Bult (Psychiatrie). 2002 schloss er sein Architekturstudium an der Uni Hannover ab und machte später noch berufsbegleitend eine Ausbildung zum Immobilienökonom in Berlin. 2004 trat er ins Familienunternehmen ein, ist Gesellschafter und sitzt seit 2008 auf dem Chefsessel. Er engagiert sich unter anderem in der Bürgerstiftung, im Förderverein International School und im Verein Civilia.

 Ralph Hübner


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