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Meine Stadt „Rückbau wäre eine Chance“
Hannover Meine Stadt „Rückbau wäre eine Chance“
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00:18 03.10.2018
ABWEISEND: Vom Hochhaus in der Elmstraße (Sahlkamp-Mitte) geht ein erheblicher Teil der Probleme mit Gewalt, Vandalismus und Lärm aus. Quelle: Foto: Wilde
Hannover

„Um das Hochhaus in der Elmstraße geht in der Dunkelheit niemand gern allein herum.“ Afra Gamoori weiß, wovon sie redet. Die SPD-Ratsfrau hat jahrelang in der Nachbarschaft gelebt. Jetzt hat sie als Vorsitzende der Sanierungskommission mit den Beschwerden von Anwohnern zu Gewalt, Vandalismus, Lärmbelästigung und Drogengeschäften zu tun.

Politik, Polizei, Vereine und Organisationen haben darauf reagiert. Als Erstes durch Schaffung eines Arbeitskreises „Sicherheit im Quartier“. In diesem Umfeld, in Sahlkamp-Mitte, gehören rund 800 Wohnungen der Gesellschaft Deutsche Wohnen – das Hochhaus in der Elmstraße ebenfalls.

Das Unternehmen engagierte einen privaten Sicherheitsdienst. 14 Männer und Frauen patrouillieren vor den Häusern. Auch wer das neu gewonnene Gefühl von Sicherheit zu schätzen weiß, war anfangs irritiert durch Taschen- oder Ausweiskontrollen. Auch die Polizei geht regelmäßig auf Streife, derzeit häufig mit dem neuen städtischen Ordnungsdienst. Der ist dort mindestens einmal die Woche im Einsatz, und zwar mehrere Stunden lang.

„Die Zustände haben sich gebessert, seitdem wir massiv Präsenz zeigen“, findet Ordnungsdezernent Axel von der Ohe. Darum kann er nachvollziehen, dass der Rat mit sehr großer Mehrheit einen Antrag der Wählergemeinschaft „Die Hannoveraner“ ablehnte. Die Rechtspopulisten hatten tägliche Streifengänge von Ordnungsdienst und Polizei gefordert. Der Einsatz des privaten Sicherheitsdienstes könnte dann überflüssig werden.

„Tägliche Polizeipräsenz würde kein Mehr an Sicherheit bringen“, meint Gamoori. Be­wohner mit problematischem Verhalten würden sich schnell daran gewöhnen und womöglich in die Nachbarschaft ausweichen. Viel sinnvoller wäre ein Ausbau der sozialen Infrastruktur: „Die Bildungseinrichtung ,Pro Beruf’ leistet beispielsweise erstklassige Arbeit, aber die Fördermittel laufen aus.“ Da müsse viel mehr investiert werden. Außerdem brauche der Sahlkamp mehr Streetworker.

Die Vorsitzende der Sanierungskommission sieht das Hochhaus mit seinen 18 Etagen als entscheidend mit verantwortlich für die problematischen Verhältnisse. Viele, die da wohnen, hätten keine Perspektive. Sie seien langzeitarbeitslos und arm. Ein Teil der Wohnungen stehe leer. Einbrüche oder Bedrohungen mit Messern hätten fast zum Alltag gehört, bevor der private Sicherheitsdienst die Arbeit vor Ort aufgenommen hätte. Den zu engagieren, war auch für die Deutsche Wohnen eine Premiere.

Das Unternehmen zeigt durchaus Verantwortungsbewusstsein. Ministerpräsident Stephan Weil freute sich im vergangenen Jahr als Schirmherr des Na-Du-Kinderhauses über einen Scheck der Wohnungsgesellschaft. Weil streitet mit für die Sanierung des Stadtteils.

Als einen möglichen Schritt zu mehr Lebensqualität kann sich Gamoori den Rückbau der Türme vorstellen. „Das wäre eine Chance“, sagt sie. Kein Totalabriss wie einst im Klingenthal (Vahrenheide-Ost), aber ein paar Etagen weniger.

Von Vera König

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