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UR-LINDENER:Jogi Schmer gibt seinem Rugby-Teamvor dem Derbygegen den Erzrivalen Hannover letzte Tipps.

Hicran Yildirim war mit seiner Familie Vorreiter der Kioskszene.  © NDR

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TV-Reportage

Linden wird zum Fernsehstar

Es ist schon etwas Besonderes, wenn ein Fernsehsender einem Stadtteil eine ganze Stunde zur besten Sendezeit einräumt. Aber Linden ist eben auch etwas Besonderes. Freitag Abend um 20.15 Uhr präsentiert N3 Hannovers buntestes Viertel. Dabei geht es vor allem um die Geschichten von Menschen, die hier wohnen.

Hannover. Langsam öffnet sich eine rostige Containertür. Dahinter kahle Blechwände. Noch. Denn bald schon soll hier Lena Reckewerths Massage-Studio entstehen. Ein Wellness-Tempel im Rostcontainer? Eine ziemlich schräge Idee, die so wohl auch nur hier verwirklicht werden kann: In Linden, dem wohl schrägsten und deshalb auch angesagtesten Viertel der Stadt.

Kein Zufall also, dass der Film „Linden leben“ von Tina Zemmrich genau mit dieser Vision eines freien und alternativen Unternehmertums beginnt. Eine satte Stunde räumt der NDR diesem Kiez-Porträt ein, zur besten Sendezeit im Rahmen der Reihe „Nordstory“ heute (Freitag) um 20.15 Uhr auf N3. Eine Reportage, die mehr zeigt als schöne Bilder in satten Farben. Die gibt es auch, aber vor allem geht es um Menschen, die hier leben, seit langem oder auch erst seit kurzem.

Der Untertitel „Hannovers wilder Westen“ weckt Assoziationen. Und wie etwa in Texas gibt es auch in Linden einen starken Lokalpatriotismus. Den vor allem Ur-Lindener wie Jogi Schmer verkörpern. Der 52-jährige Rugby-Trainer vom Traditionsverein TSV Victoria nimmt da kein Blatt vor den Mund. „Sie meinen, dass sie Lindener sind“, sagt er. „Sind sie aber nicht!“ Das zielt auf die Leute, die Samstags in Massen über den Lindener Marktplatz strömen, angezogen von dem besonderen, entspannten Flair - Caffè Latte mit Kartoffelkauf.

Linden hat viele Facetten. „Der Stadtteil ist spannend, bunt, alternativ“, schwärmt Filmemacherin Tina Zemmrich. „Hier ist alles normal, da kannst du auch barfuß auf die Straße gehen. Jeder darf so sein, wie er will.“ Das Problem der Gentrifizierung taucht natürlich auf, aber nur am Rande, etwa wenn Jogi Schmer über die Schicki-Mickis her-zieht, oder in einigen wenigen abgefilmten Protestgraffitis gegen neue Läden. Es geht der Autorin aber viel mehr um die Geschichten der Menschen. Vier Protagonisten hat sie ausgewählt, die sie ausführlich und im steten Wechsel zu Wort kommen lässt.

Ein außergewöhnlicher Glücksfall war die Begegnung mit Karin Menges. „Ich war mit meiner Mutter in Linden unterwegs“, erzählt Zemmrich, „und wollte, dass sie das Ihme-Zentrum fotografiert.“ Ihre Mutter habe sich geweigert, das sei ihr zu hässlich. Da habe sich eine zufällig dabei stehende Frau eingemischt: „Kommen sie doch mal mit.“

Das war Karin Menges, erst vor kurzem vom Dorf in die Stadt gezogen - und Bewohnerin des Ihme-Zentrums. Von außen unansehnlich. Innen aber vor allem auch wegen des Ausblicks eine Wucht. Zusammen mit der Neu-Lindenerin erkundet der Film den Freizeitwert des Viertels, besucht einen Lindy-Hop-Workshop im Tango-Milieu auf dem Faust-Gelände. Wirft bei der Gelegenheit auch einen, sonst nicht zugänglichen, Blick ins Kesselhaus der alten Bettfedernfabrik.

Prägend für Linden sind seine Kioske. Hier wurde aus der ollen Nebgen-Bude wieder ein richtiger Tante-Emma-Laden. Oder besser: ein Onkel-Hüssein-Laden, denn es waren türkische Mitbewohner, die diese spezielle Kioskkultur entwickelten, bei der man auch noch spät in der Nacht alles bekommt, was man braucht. Lange vor der Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten. Die Familie Yildirim war eine der ersten, die Anfang der 90er Jahre ihren Kioskladen an Lindens „Sonnenalllee“, der Otto-Wels-Straße eröffneten.

Die Yildirims sind etabliert. Lena Reckewerth steht noch ganz am Anfang. Freunde helfen ihr, den Container herzurichten. Kreative Gründer wie sie, die hier beim Platzprojekt an der Fössestraße, einem öffentlich gefördertem Experimentierfeld, ihren Traum der Selbstständigkeit zu verwirklichen suchen. Sie habe jahrelang nach einer Möglichkeit gesucht, ihre Idee umzusetzen, sagt sie. „In Linden habe ich das endlich gefunden.“


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