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Meine Stadt Lieblingsweg trägt Strauchs Namen
Hannover Meine Stadt Lieblingsweg trägt Strauchs Namen
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RUHIG UND IM GRÜNEN: Das war Bernd Strauchs Lieblingsweg eingeweiht wurde er im Beisein von (v.l.) Klaus Dickneite, Herbert Schmalstieg, Ulrike Strauch, Frauke Strauch, Stephan Schostok, John Strauch sowie zahlreicher Weggefährten.Foto: von Ditfurth
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Bei seinem Tod, der Trauerfeier in der Marktkirche und der Beisetzung hatte auch der Himmel Tränen vergossen. Am Mittwoch aber, als sie Bernd Strauch noch einmal ehrten, erlebten Familie, Freunde und Weggefährten in Anderten ein Postkartenidyll. Schäfchenwolken in der Abendsonne, erstes sattes Grün an Hecken und Bäumen, anfängliche Ruhe. Doch die endete schnell, denn gut mehr als 100 Menschen kamen, um den Bürgermeister der Herzen noch mal Tschüs zu sagen.

Anlass dazu hat die Enthüllung eines Straßenschildes geliefert genau an der Kreuzung Spree- und Wasserweg , montiert über dem Friedrich-Wilhelm-Fitzner-Weg. Das sei der ehemalige Schulleiter seines Vaters gewesen, erzählte John Strauch. Wieder habe sich ein Kreis geschlossen.

Der heutige Bernd-Strauch-Weg war der Lieblingsweg des Sozialdemokraten, der 18 Jahre lang Ratsvorsitzender und Erster Bürgermeister war und bei den Kommunalwahlen stets die meisten Stimmen holte. Nach schwerer Krankheit starb Strauch 2015 am 28. September 2015 im Alter von 66 Jahren. In den letzten Monaten war er immer wieder über diesen Weg spaziert, erst allein, dann gestützt auf Frau oder Freunde, später im Rollstuhl.

„Es war, als ob der Puls der Stadt einen Moment aufgehört hatte zu schlagen“, erinnerte OB Stefan Schostok an den Tag der Todesnachricht. Strauch sei „ein feiner Mensch“ gewesen, ein Vorbild über Parteigrenzen hinweg. Er habe nie die Bodenhaftung verloren und deshalb sei der Name für einen vermeintlich kleinen Weg besser geeignet als ein protziger Platz oder eine mächtige Allee. „Ganz wie er gewollt hätte, bleibt Anwohnern das Ändern einer Adresse erspart“, sagte Bezirksbürgermeister Klaus Dickneite über die Wahl des Weges. Der führe auch zum Spielplatz, den Bernd Strauch mit Enkel Otto besucht hatte.

John und Ulrike Strauch bedankten sich für die große Anteilnahme an dem Ereignis. Ratskollegen waren gekommen, frühere Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung, Nachbarn. Das zeige, dass der Kommunalpolitiker noch immer unvergessen sei.

Der Sohn rief in Erinnerung zwei Maximen, die Bernd Strauch ihm auf den Weg gegeben hatte: „Bei allem Wirken muss der Mensch im Mittelpunkt stehen.“ Und: „Vergesst nie den Respekt und die Fairness.“

Sein Kommen zugesagt hatte auch Ministerpräsident Stephan Weil als Freund Strauchs. Doch der Amtsantritt von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin machte den Plan zunichte. Ein anderer Freund kam – Alt-Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg. An seiner Seite war Strauch oft über den Weg gegangen und hatte erzählt, hier schlösse sich der Kreis. Am Tiergarten sei er aufgewachsen; dort werde er sterben.

Schmalstiegs Eindruck zum Straßenschild-Enthüllung im Sonnenschein und dieser ganz speziellen Erinnerungskultur: „Bernd wird uns von oben zusehen und sagen: Das habt ihr gut gemacht.“

Von Vera König

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