Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Lehman-Opfer kämpft gegen Anwalt
Hannover Meine Stadt Lehman-Opfer kämpft gegen Anwalt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:12 23.07.2010
Anzeige

VON ANNETTE ROSE

HANNOVER. Vom Regen in die Traufe: 60 000 Euro hatte die pensionierte Oberstudienrätin Ursula I. (85) 2008 bei der Lehman-Bank-Pleite verloren. Ein Jahr später schloss ihr Anwalt mit der Sparkasse einen Vergleich: Die 85-Jährige akzeptierte wie viele Lehman-Opfer 75 Prozent Entschädigung, hier 45000 Eu­ro. Von dem Geld leitete der Kirchröder Anwalt Derk J. aber nur 21004 Euro an seine Mandantin weiter, 23995 Eu­ro strich er als Honorar ein.

Vor dem Landgericht klagt die doppelt Geschädigte jetzt mit ihrem neuen Anwalt Daniel Dürrfeld auf Auszahlung weiterer 22000 Euro. Sie wird damit Erfolg haben, machte Richter Hans-Heiner Bodmann gestern deutlich. Anwalt J. hatte der alten Dame, die im Haus über seiner Kanzlei wohnt, von sich aus das Angebot auf Rechtsvertretung gemacht. Die Frau, die über die Hälfte ihrer Ersparnisse verloren hat, habe kein weiteres Geld für eine 2008 noch aussichtslose Klage aufwenden wollen. Er habe angeboten, ohne Vorschuss auf sein Risiko zu arbeiten, wobei er die Kosten bis zum Bundesgerichtshof mit 37000 Euro veranschlagt habe, verteidigte sich der Anwalt in der Verhandlung.

Er ließ seine Mandantin eine Vereinbarung unterschreiben, in der von 2082 Euro „Einigungsgebühr“ die Rede war. Diese Gebühr sollte bei hundertprozentiger Durchsetzung der Rückforderung das 14,79fache betragen, bei 80 Prozent das 11,83fache. Er habe der Mandantin neun Tage Zeit gelassen, darüber nachzudenken, und sie habe unterschrieben, so J.

Es ging jedoch nicht bis zum BGH: Da die Sparkasse Prozesse wegen Falschberatung verlor, kam es im Oktober 2009 zur Entschädigung. Bis dahin hatte Anwalt J. nach Angaben seines Kollegen Dürrfeld „nur drei bis vier Schriftsätze“ mit der Bank gewechselt. Es habe nicht mal eine Besprechung gegeben.

Vom Gericht musste sich J. sagen lassen, dass seine unklare Honorarvereinbarung nicht dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz entspreche und unwirksam sei. Er könne nicht mehr als 2000 Euro Gebühren von seiner Ex-Mandantin fordern, denn 2824 Eu­ro hatte schon die Sparkasse bezahlt. Dies soll J. der alten Dame verschwiegen haben. Urteil 16. August

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Holger B. ist wieder in Hannover: Die Spanier haben den Mann, der am Steintor zwei Italiener erschossen hat, nach Deutschland ausgeliefert.

23.07.2010

Ferienzeit ist Reisezeit. Das könnte am Wochenende vor allem rund um Hannover für Chaos sorgen – die Autobahnen werden richtig voll.

22.07.2010

Die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) wird nach Einschätzung aus Finanzkreisen den Banken-Stresstest bestehen.

22.07.2010
Anzeige