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Meine Stadt Lebenslanges Fahrverbot für alten Mann
Hannover Meine Stadt Lebenslanges Fahrverbot für alten Mann
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00:16 14.04.2017
AMTSGERICHT HANNOVER: Führerscheinentzug auf Lebenszeit für alten Mann.  Quelle: Archiv
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HANNOVER

 „So darf man nicht mehr Auto fahren, weil man sonst noch jemanden umbringt!“ Rasch war damit klar, welches Urteil Richterin Monika Pinski wohl im Fall des 83-jährigen Mannes sprechen würde, der sich am Dienstag wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung im Amtsgericht Hannover verantworten musste. Er kam am Stock und konnte nicht verstehen, was die Richterin sogar extralaut sagte – er ist schwerhörig. Sein Anwalt spielte zu Beginn für die Formalien den „Übersetzter“ – und als der Angeklagte kurz vor dem Urteilsspruch gefragt wurde, ob er sich noch äußern wolle, sagte er: „Kann ich nicht, ich habe ja nichts verstanden.“ (Im Sinne von gehört).

Anlass des Strafverfahrens war ein Unfall auf der A 2 vor gut einem Jahr, als der alte Mann sein Auto auf die mittlere Spur lenkte, um eine Lkw-Kolonne zu überholen, dabei ein herannahendes oder gar schon neben ihm fahrendes Fahrzeug wohl übersehen hat, so dass die beiden Fahrzeuge kollidierten. Es entstand glücklicherweise nur Blechschaden. Die Polizisten stuften den körperlichen und geistigen Zustand des Mannes vor Ort als so „desolat“ ein, dass sie gleich seinen Führerschein einbehielten.

„Sie dürfen nur noch Fußgänger oder Busfahrgast sein. Sie sind eine Gefahr für die Allgemeinheit!“ entfuhr es der Richterin im Lauf der Verhandlung. „Irgendwann ist auch mal Schluss, da muss man sich sagen: Nun ist gut, ich fahre nicht mehr Auto.“ Das sah der Angeklagte anders: Seine körperlichen Gebrechen würden seine Fahrtüchtigkeit nicht beeinträchtigen, er fahre auch noch Fahrrad.

Der Staatsanwalt forderte eine Strafe von 60 Tagessätzen zu 50 Euro (also 3000 Euro) und sechs Monate Fahrverbot. Damit kam die Richterin nicht klar: Sie setze 30 Tagessätze fest und verfügte Führerscheinentzug auf Lebenszeit.

„Ich nehme diese Verantwortung nicht auf mich, dass da irgendwann noch was passiert. Sie sind nie wieder in der Lage, ein Fahrzeug so zu führen, dass Sie niemanden anderes gefährden. Wenn ich könnte, würde ich Ihnen auch das Radfahren verbieten“, gab sie dem alten Mann auf den Weg. Sie wisse auch, dass das „unheimlich schmerzhaft sein muss“ und wünschte sich, „dass wir alle die Kraft finden, uns dann selbst zuzugestehen: Das kann ich noch, das nicht.“ Diese Einsicht vermisste sie bei dem Angeklagten.
 

Von Ralph Hübner

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