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Bildung

Lange Nacht der Berufe: Buhlen um den Nachwuchs

Bei der langen Nacht der Berufe in und am Rathaus in Hannover haben sich Betriebe, Innungen und Hochschulen vorgestellt. Bei andauerndem Fachkräftemangel wird der Kampf um den Nachwuchs immer größer.

hannover. So umschwärmt werden die jungen Leute nicht so oft, aber in Zeiten des Fachkräftemangels buhlen die Arbeitgeber um jeden Einzelnen von ihnen. Und so legten sich Innungen, Verbände und Organisationen am Freitag zum zehnten Mal ziemlich ins Zeug, um in der „Langen Nacht der Berufe“ im und am Neuen Rathaus Nachwuchs zu generieren.

Leonard Gümmer (14) aus Dedensen zum Beispiel, der sich mit seinen Eltern am Stand des Zolls über mögliche Zukunftsaussichten informierte. „Handwerk ist nicht so sein Ding“, erzählte Mutter Bärbel Gümmer, die es aber ohnehin lieber sehen würde, wenn ihr Junge aus der neunten Realschulklasse noch ein bisschen länger zur Schule gehen würde. „Es ist wirklich sehr früh, sich schon für das Berufsleben entscheiden zu müssen“, meinte sie.

Gleich nebenan präsentierte sich die Bundeswehr – mit einem langhaarigen, eher nicht militärisch wirkendem Mann. „Keine Angst, wir sind zivile Kräfte“, sagte Edzart Meyer lächelnd. Er bildet Fluggerätmechaniker in Wunstorf beim Lufttransportgeschwader aus. „Ein wirklich attraktiver Arbeitgeber“, meinte Meyer. „Dienen“ müsse man dafür auch nicht, „das ist eine rein zivile Ausbildung mit einer Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer.“ Die Berufsausbildung werde auch immer interessanter für Frauen, immerhin vier von 20 Auszubildenden in diesem Jahr wären weiblich.

Wobei auf dem Rathausvorplatz nach wie vor viele Jungs bei den technischen Berufs-„Beratern“ vorbeischauten, während ganze Gruppen von Mädchen sich ihre eigenen Haarkränze am Stand der Justus-Liebig-Schule flochten. Die Schule hat auch Floristik im Angebot – und wahrscheinlich hatte so manche künftige Blumenfachfrau soeben ihren ersten Blumenkranz hergestellt.

Auf den Gängen des Rathauses schoben sich derweil interessierte Schüler und Schülerinnen an den Ständen der Verwaltungen, der Schulen und Hochschulen, der Hotels, dem Handel und der Gesundheitsbranche vorbei. Von der Mediengruppe Madsack über verschiedene Versicherer bis hin zu Handwerksbetrieben buhlte hier alles um den Nachwuchs. Auch die Innung SHK, was für Sanitär, Heizung und Klima steht. Geselle Christoph Wesemeyer (21) erklärte Dawit Tesfaye (32), der in Magdeburg Bauingenieur studiert hat und nächstes Jahr seinen Master in Hannover machen will, wie man in seinem Handwerk arbeitet. Und schwärmte von den Zukunftsaussichten „unsere wundervollen Berufs“, von dem „goldenen Boden“ dieses Handwerks. „Nach meiner Lehre wollten mich 17 Chefs einstellen, Arbeitslosigkeit gibts bei uns nicht.“ Und auch wenn Roboter den einen und anderen Job künftig machen könnten – „wir sind nicht einfach zu ersetzen“.

Von Petra Rückerl


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