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Meine Stadt Kunstrasenärger: Politik will über Regeln reden
Hannover Meine Stadt Kunstrasenärger: Politik will über Regeln reden
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09:34 14.02.2019
Im Hochwassergebiet: Der Hochschulsport-Kunstrasen. Die Stadt aber verweigert fünf Clubs wegen Überschwemmungsgefahr einen Platz. Quelle: Villegas
Hannover

Kein Kunstrasen wegen Hochwassergefahr: Das sorgt für viel Ärger bei betroffenen Vereinen. Nun denkt auch die Politik darüber nach, ob die Kriterien für die nächste Bewerbungsrunde in 2020 geändert werden müssen.

„Es gibt Punkte, mit denen man sich beschäftigen muss“, sagt SPD-Sportpolitiker Angelo Alter. Er hält die bisherigen Kriterien zwar für „nachvollziehbar und transparent“. Eine „Generalüberholung sei deshalb „nicht nötig“. Gleichwohl will er diskutieren, „ob man an den Spielregeln etwas ändern muss“.

Alter berichtet allerdings auch, „dass der Stadtsportbund keine Einwände vorgebracht hat. Da erwarte ich Beratung. Wenn die nicht kommt, dann tut es mir Leid“, so der SPD-Mann.

Wegen Hochwassergefahr: Fünf Vereine ohne Chance

Mark Bindert, sportpolitischer Sprecher der Grünen, will mit der Verwaltung besprechen, „ob es bei dem generellen Ausschluss der Vereine bleiben darf, die im Hochwassergebiet liegen“.

Die Stadt hatte das als KO-Kriterium festgelegt, weil sie das Risiko für zu hoch hält, dass die rund eine halbe Million Euro teuren Kunstrasenplätze bei Überschwemmungen stark beschädigt oder komplett zerstört werden könnten. Betroffen davon waren Hannover 78, der Deutsche Hockey-Club, die SG von 1874, die TuS Marathon und die Spielvereinigung Niedersachsen Döhren. Einen Zuschlag für einen Kunstrasenplatz hatten in der ersten Runde nur der Hannoversche Sport-Club und VfL Eintracht Hannover bekommen.

Grüne wollen Brennpunkt-Vereine mit Kunstrasen fördern

Bindert kritisiert aber auch, dass in der ersten Runde „soziale Belange fast überhaupt nicht berücksichtigt wurden“. Er findet es schade, dass etwa der SV Borussia ohne Chance war, weil er nicht die jährlichen Kosten von 17 000 Euro für Rücklagen und Pflege für den Kunstrasenplatz stemmen kann. „Die leisten in Vahrenheide ganz wichtige Arbeit. Das ist ganz sicher kein Premiumstadtteil“, sagt Bindert, der vorschlägt, „auch mal eine Sonderrunde für Sportvereine an Brennpunkten einzulegen“.

Verärgert zeigt sich Bindert über den Stadtsportbund, weil der durchgesetzt hatte, dass es bei der Bewertung weniger Punkte für Kooperationen mit Nichtvereinen als mit Vereinen gab. Dadurch seien etwa Projekte mit Obdachlosen oder ehemaligen Drogenjunkies benachteiligt. „Da ist der Stadtsportbund über das Ziel hinausgeschossen“, findet Bindert, der in der Ampel über eine Veränderung der Kriterien reden will.

FDP-Mann Andreas Bingemer zeigt Verständnis dafür, dass die Stadt Vereine ausgeschlossen hat, die im Hochwassergebiet liegen. „Es ist auch Aufgabe der Stadt, ihr Vermögen bestmöglich zu schützen“, sagt er. Dennoch will er auch darüber reden, ob es vielleicht Alternativen gibt. Zum Beispiel die, dass die betroffenen Vereine eine Versicherung für den Kunstrasenplatz abschließen müssten.

Politik: Clubs sollen fusionieren oder kooperieren

„Es kann nicht sein, dass ein Hochwasser, dass statistisch alle 100 Jahre kommt, so ein erhebliches Ausschlusskriterium ist“, findet CDU-Sportexperte Thomas Klapproth. Die Bewertungskriterien bei den Bewerbungen sind für ihn „nicht in Stein gemeißelt“.

Mehr Flexibilität und Bereitschaft zu Veränderungen fordern SPD und Grüne allerdings auch von den Vereinen. Insbesondere die, die auf hinteren Plätzen des Rankings ohne Chance auf einen Kunstrasenplatz sind, sollten „verstärkt über Fusionen und Kooperationen nachdenken“, fordert Mark Bindert von den Grünen. Verträge zur gemeinsamen Nutzung eines Kunstrasenplatzes könnten auch „so gestaltet werden, dass die Vereine unabhängig voneinander bleiben können“, sagt Bindert. Auch Angelo Alter (SPD) würde es „ausdrücklich begrüßen“, wenn sich Vereine „zusammen für einen Kunstrasenplatz bewerben“.

Beim SV Arminia, der bei der Bewerbung chancenlos auf einem der letzten Plätze landete, denkt man darüber schon nach. „Wir werden darüber mit unseren Nachbarn vom Blauen Wunder reden“, sagte der Arminia-Vorsitzende Frank Willig der NP.

Von Christian Bohnenkamp

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