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Meine Stadt Kultband Runrig in Hannover von 3000 Fans gefeiert
Hannover Meine Stadt Kultband Runrig in Hannover von 3000 Fans gefeiert
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10:51 26.08.2010
Runrig begeisterte Mittwoch Hannover bei ihrem Konzert auf der Parkbühne. Quelle: Behrens

Von Matthias Halbig

Hannover. Da ist er, der Malcolm Jones. Als der Runrig-Gitarrist unter Hannovers Konzertmuschel steht, gibts ein doppelt herzliches Willkomm’. Schließlich war er krank, zwei Tourneen platzten (auch der hannoversche Märztermin). Jones hatte 2009 auf die Schnelle versucht, eine Bahn zu erwischen. Herzinfarkt. In diesem Frühjahr dann die Rückrufaktion. Das eingesetzte Implantat war fehlerhaft. Und wie immer, wenn Rockbands Statements ausgeben, wonach kein Grund zur Sorge besteht, war die Sorge der Fans groß. Aber gut schaut Jones aus auf der Parkbühne. Und so spielt er auch.

Los gehts mit „Things that Are ...“ Banner wehen im Abenddämmer, 3000 Runrig-Fans sind gut drauf, befeuern eine jener Gruppen, die ihr Lebtag unterm Radar der Charts und Radiosender fliegen. Anti-MTVler, trotzdem erfolgreich – Kultband nennt man so was in Deutschland, wo Runrig ihre größte Anhängerschaft haben. Nach 37 Jahren singen die Gälisch-Pioniere auf der Bühne zwar nur noch ein paar Stücke in jener Sprache, deren elbischer Klang und obskures Schriftbild so faszinierend konträr erscheinen, aber es ist unterschwellig noch bannig Keltenfolk im Sound, auch wenn bei Runrig gerockt wird wie nie. Sänger Bruce Guthro scheint wieder lustvoller als zuletzt. Das wird auch in den Plauderreihen hinten diskutiert. Die meisten aber schweigen, lauschen, schweben mit versonnenem Blick und halb geschlossenen Augen im Fluidum der prächtigen Musik. Sich in den Liedern auflösen ist angesagt, im munteren „Beat the Drum“, im hymnischen (gälischen) „Alba“, im dudelsackgeschmückten „Heading to Acadia“. Viel vom Feelgood ist dabei durchaus Jones’ Verdienst.

Eine Band für jede Jahreszeit. Runrig holten Mittwoch auf der Parkbühne in Hannover ihr Frühlingskonzert nach. 3000 Fans sind begeisert.

Sein melodisches Gitarrespiel malt die Songs aus, malt das schottische Hochland in die Lieder, den anthrazitenen Himmel drüber, die Sonne dazu, die durch Wolkenritzen das Grün zum Leuchten bringt und die darin tapfer verfallenden Burgen. Malt, dass es keins der Videos bräuchte. Brian Hurrens Keyboards erzeugen glitzernde Flächen, auf denen Jones’ Saiten singen. Träumerische Töne, folkrockige Läufe auch, die eine Ahnung geben von den Wurzeln dieser Truppe, die einst unter Führung der MacDonald-Brüder Rory und Calum schottische Hochzeiten in furiose Feste verwandelte.

Als die Band nach „Alba“ auf dicke Trommeln schlägt, wühlt das wohlig im Bauch und man fühlt sich als Teil des Runrig-Clans. Stimmung bei „Every River“. Fehlt „der Song“, den jede Kultband hat und den zu spielen Gesetz ist. Bei Runrig ist es „Loch Lomond“ mit seiner sofort ins Langzeitgedächtnis strudelnden Celtic-Melodie. Die Leute klatschen doppelt, drücken die Handflächen nach vorn – ein Kultbandritual.

Und dazu singen sie mit Guthro von den alten schönen Tagen am schottischen See und der Gewissheit „me and my true love will never meet again“. Traurigschön, da denkt man an den Kino-Highlander, dem es auch so erging. Und wendet dessen Motto uneingeschränkt auf die Band an.

Es kann nur eine geben. Und heute war das Runrig.

Bewertung: 4/5.

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