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Terrorgefahr

Kriminologe aus Hannover: "Sachsen ist ein anderes Land"

Der Kriminologe Christian Pfeiffer ist entsetzt über die Zustände in Sachsen. Der Syrer Dschaber al-Bakr sei ganz klar suizidgefährdet gewesen.

Bei einem mutmaßlichen Selbstmordattentäter wird keine akute Selbstmordgefahr festgestellt. Ist das glaubwürdig?

Nein. Wie kann der sächsische Justizminister so etwas ernsthaft behaupten bei jemandem, der zum Selbstmord entschlossen war? Freilich mit der Absicht, 30 oder 40 andere Menschen noch mitzunehmen. Aber er war entschlossen – und dann scheitert das alles auf eine solch erbärmliche Weise. Eigene Landsleute verraten ihn an die deutsche Polizei. Er muss sich fesseln lassen und ist der totale Versager in seinen Augen. Eigentlich wollte er einen Heldentod sterben. So einer ist hochgradig selbstmordgefährdet.

Die Psychologen sahen das anders ...

... dann waren sie nicht in der Lage, seine Lebenssituation richtig einzuschätzen. Er war ja nicht ein von Depressionen geschüttelter Deutscher, der schon täglich Tabletten nahm. Nicht dieser Typ Selbstmörder, sondern einer aus einer anderen Kultur, in der Selbstmord eine ganz andere Verbindung hat. Man hat sich nicht in seine Situation hineinversetzt. Vielleicht muss man dann jemanden hinzuziehen, der sich mit der Kultur auskennt.

Was hätte man noch tun sollen?

Es gibt zwei Möglichkeiten. Man sperrt ihn in eine Doppelzelle mit einem seine Sprache sprechenden Mitgefangenen. Die haben in Leipzig garantiert einen arabisch sprechenden Untersuchungshäftling. Oder man macht eine lückenlose Überwachung, um immer noch rechtzeitig eingreifen zu können. Vorher nimmt man ihm alles ab. Dass sich jemand mit seinem eigenen Oberhemd aufhängt, habe ich auch schon erlebt.Jeder Profi weiß, wie man Selbstmord in der Zelle verhindert.

Sollte der Innenminister zurücktreten?

Nein. Aber er sollte seinen Fehler offen eingestehen. Das fehlt mir.

Vor dem Justizskandal gab es den Polizeiskandal.

Das ist eindeutig. Die Polizei war schwach aufgestellt beim Festnahmeversuch. Die müssen natürlich alle Ausgänge observieren und nicht nur den Vorderausgang. Dass er flüchten konnte, war eindeutig ein Fehler. Hier haben wir die Duplizität der Ereignisse. Auch der sächsische Innenminister war nicht bereit, einen Fehler offen einzugestehen – sondern erzählte jubelnd, es sei gelungen, einen Anschlag zu verhindern. Ja, Gott sei Dank, aber da hat die Bundesebene – der Verfassungsschutz – sehr gut funktioniert. Beim Zugriff hat dann seine Polizei versagt. Ohne die tatkräftigen Syrer hätte man ihn nicht bekommen. Aber im Landtag dankt der Minister den Polizeikräften, nicht den drei Syrern.

Für wie wahrscheinlich halten Sie die Aussage Al-Bakrs, dass die drei angeblich in seine Taten verwickelt wären?

Das ist absurd. Sie werden bei ihm so getan haben, um ihn in die Wohnung zu locken und fesseln zu können. Sie gaben sich als Sympathisanten aus. Womöglich hat er noch telefoniert und seine Leute informiert, dass er gut untergekommen ist. Das Entscheidende ist, dass die drei sich selber und ihre Familien in Syrien gefährdet haben, indem sie diese großartige Tat vollbracht haben.

Hat Sachsen strukturelle Probleme im Polizei- und Justizbereich?

Ja. Das sieht man ja auch daran, dass in Sachsen fünfmal so viele rechtsextrem motivierte Taten passieren wie im Rest der Republik. Sachsen ist da ein anderes Land. In der Landesregierung fehlt mir das Problembewusstsein. Auch am Tag der Deutschen Einheit konnte man die Mängel erkennen. Dass Leute in Sprechchören den Bundespräsidenten und die Kanzlerin attackieren konnten, war keine starke Leistung der Polizei.

Nun heißt es, dass die sächsische Polizei zum Teil von Rechtsradikalen unterwandert ist ...

Das mag sein, danach riecht es. Es gab auch andere Vorfälle, in denen die Polizei harsch mit Flüchtlingen umgegangen ist, aber schonend mit den Rechten. Man kriegt den Eindruck einer Landesregierung, die sich schwertut, eigene Fehler zuzugeben, daraus zu lernen und einen anderen Kurs einzuschlagen.

von Petra Rückerl


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