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© Holger Hollemann/dpa

Sicherheit

Kriminologe: "Er war des Tötens müde"

Der Kriminologe Christian Pfeiffer aus Hannover sieht in David S. aus München alle bekannten Merkmale eines Amokläufers.

Ist der 18-Jährige Täter ein typischer Fall?

Ja, idealtypisch. Er erfüllt alle Merkmale, die man in der Forschung als wichtige Faktoren bezeichnet. 1. Er ist psychisch in einer Krise, leidet unter Depressionen. 2. Er ist sozial isoliert, hat massives Mobbing durch Mitschüler erlebt, ist zusammengeschlagen worden. 3. Er hat offenbar ein schwieriges, durchwachsendes Elternhaus. Es heißt immer, er wohne mit Vater und Bruder zusammen, von der Mutter ist nicht die Rede. 4. Er hat selber durch seine gefakten Nachrichten versucht, andere Jugendliche zu dem McDonalds anzulocken.

Betroffen sind vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund. Was hat das zu bedeuten?

Ich vermute als Hintergrund, dass die Jugendlichen, die ihn damals überfallen hatten, einen Migrationshintergrund hatten. Und er spezielle Rachebedürfnisse denen gegenüber hatte, die in diese Gruppe gehören.

Was ist noch typisch?

Er hat sich exzessiv berauscht an sehr brutalen Computerspielen. Das war auch bei den Tätern von Winnenden und Erfurt so, bei nahezu allen, die in den USA als Amokläufer registriert wurden. Der entscheidende Faktor ist aber nicht das Computerspiel, sondern das Enthemmungsmoment durch das Spiel. Man spielt seine Tötungshemmungen ab. Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik spielte lange vor der Tat eines, von dem er sich rühmte, das sei mental die beste Vorbereitung gewesen.

Hat David seinen Suizid eingeplant?

Das tun sie immer. Er hatte ja noch genug Munition, aber offenbar war er dann des Tötens müde. Und als die Polizei ihn nicht bedroht, sondern nur angesprochen hat, reichte es schon für die Selbsttötung.

Die Münchner Polizei machte den Eindruck, vieles richtig gemacht zu haben ...

Sie hat alles richtig gemacht. Sie hat bewiesen, dass sie auch in einer Terrorlage – davon musste man zunächst ausgehen – Herr der Lage wäre. In der Annahme, es seien drei flüchtige Terroristen, hat sie alles getan, um die Lage zu beherrschen. Und der Pressesprecher Marcus da Gloria Martins hat alles cool und souverän präsentiert.

Am Freitagabend hat man gleich Verbindungen zum Würzburger Attentäter gesucht. Haben wir die Amokläufer nicht mehr auf dem Schirm?

Das ist normal. Die letzten großen Amokläufe liegen weit zurück, Erfurt war 2002, Winnenden 2009, München ist der dritte große Amoklauf in Deutschland. Die Gesamtlage aber ist anders. Bei den Heranwachsenden haben wir seit 1993 ein um 50 Prozent reduziertes Risiko – es gibt also nur halb so viele heranwachsende Tötungstäter. Wir haben insgesamt einen drastischen Rückgang bei Gewaltdelikten von jungen Menschen, bei Heranwachsenden minus 50 Prozent, bei Jugendlichen minus 30 Prozent. Wir hatten insgesamt 632 Schusswaffentötungen im Jahr 1996, im vergangenen Jahr 129.

Petra Rückerl


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