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Teuer: Die Kosten für Einsätze der Polizei bei Heimspielen von Hannover 96 summierten sich in der abgelaufenen Zweitliga-Saison auf fast 3,6 Millionen Euro.   

Teuer: Die Kosten für Einsätze der Polizei bei Heimspielen von Hannover 96 summierten sich in der abgelaufenen Zweitliga-Saison auf fast 3,6 Millionen Euro.   © Foto: Thomas

Hannover 96

Kosten für Fußball-Einsätze der Polizei sind explodiert

Am Ende stand zwar der Wiederaufstieg von Hannover 96, doch die abgelaufene Spielzeit in der zweiten Liga hatte es in sich: Rund 3,6 Millionen Euro kosteten die Polizeieinsätze rund um die 17 Heimspiele. Eine Beteiligung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) an den Kosten ist in Niedersachsen aber kein Thema. Innenminister Boris Pistorius (SPD) kassiert unterdessen für seinen angekündigten „Fußball-Gipfel“ bei den Fans eine Abfuhr: Sie werfen ihm Wahlkampfgetöse vor.

Hannover.  Die vergangene Zweiliga-Saison von Hannover 96 kommt dem niedersächsischen Steuerzahler ziemlich teuer zu stehen. Fast 3,6 Millionen Euro kosteten die Polizeieinsätze bei den insgesamt 17 Heimspielen der abgelaufenen Spielzeit – und damit mehr als doppelt so viel wie die letzte Saison des Clubs im Fußball-Oberhaus. Mit vergleichsweise günstigen 1,52 Millionen Euro hatte die Arbeit der Polizei in der Erstliga-Saison 2015/2016 von 96 zu Buche geschlagen. Auslöser für die Kostenexplosion: 96 traf in der zweiten Liga auf Vereine wie Eintracht Braunschweig, Dynamo Dresden, Union Berlin und St. Pauli. Die Polizei musste mit deutlich mehr Personal operieren, weil deren Anhänger und die hannoversche Fanszene zum Teil Erz-Feindschaften pflegen – Ausschreitungen waren programmiert.

Die Anzahl der Arbeitsstunden bei der Polizei, die in der zweiten Liga von 96 angefallen sind, ist astronomisch. 63 500 Stunden verbrachten Beamte damit, rund um die 17 Heimspiele in der HDI-Arena für Sicherheit zu sorgen. Das teilte das Innenministerium jetzt auf Anfrage der NP mit. Auf Grundlage der jährlichen Regelarbeitszeit eines niedersächsische Polizisten von 1640 Stunden waren somit rechnerisch 39 Vollzugsbeamte nur im Fußballdienst bei 96 eingespannt.

27 100 Stunden in der ersten Liga

In der Bundesliga-Saison 2015/2016 waren es nach Angaben von Ministeriumssprecher Matthias Eichler dagegen weniger als die Hälfte. 27 100 Stunden hatten die Einsatzkräfte im Bereich der HDI-Arena da „nur“ arbeiten müssen. Das entspricht der jährlichen Arbeitszeit von lediglich 17 niedersächsischen Polizisten.

Wenig verwunderlich: Am teuersten waren für den Steuerzahler die Derbys von 96 und Eintracht Braunschweig, die als Risikospiele eingestuft waren, in der zurückliegenden Saison. Beim Rückspiel im April in Hannover beliefen sich die Kosten auf 1,28 Millionen Euro (22 809 Arbeitsstunden für die Polizei). Das Hinspiel in der Löwenstadt im November 2017 schlug mit 1,24 Millionen Euro zu Buche (22 073 Arbeitsstunden der Polizei).

Insgesamt kam die Polizei in der zurückliegenden Saison bei Einsätzen der Vereine Hannover 96, Eintracht Braunschweig und VfL Wolfsburg in der ersten und zweiten Liga auf etwa 154 000 Arbeitsstunden (37 800 erste Liga, 116 200 zweite Liga). Die Beamten sicherten inklusive der beiden Relegationsspiele zwischen Wolfsburg und Braunschweig 53 Begegnungen.

8,6 Millionen Euro Gesamtkosten

Die Kosten dafür belaufen sich unter dem Strich auf rund 8,6 Millionen Euro (2,1 Millionen erste Liga, 6,5 Millionen Euro zweite Liga). Das entspricht 71 Beamten die rechnerisch das ganze Jahr über nur Dienst in der zweiten Liga schoben und 23 Polizisten, die ausschließlich in der Bundesliga tätig waren.

Geradezu ein Schnäppchen war dagegen die Saison 2015/2016 in der Bundesliga und in der zweiten Liga. Als 96 erstklassig war und die Polizei keine Relegationsspiele begleiten musste, fielen 75 000 Dienststunden (54 000 erste Liga, 21 000 zweite Liga) bei der Polizei an, die 4,2 Millionen Euro (rund drei Millionen erste Liga, etwa 1,15 Millionen zweite Liga) kosteten. Das Innenministerium errechnete, dass damit statistisch 33 Beamte nur mit Fußballdienst in der Bundesliga und 13 Polizisten ausschließlich in der zweiten Liga beschäftigt waren.

Fans zeigen Pistorius rote Karte

Mit seinem für August geplanten „Fußball-Gipfel“ (NP berichtete) hat Innenminister Boris Pistorius bei den Anhängern der niedersächsischen Vereine eine Welle der Empörung ausgelöst. Seit Tagen hagelt es in den sozialen Netzwerken Kritik – und nun hat sich auch noch die bundesweite Organisation „ProFans“ zu Wort gemeldet. Vor dem Hintergrund der politischen Ambitionen von Pistorius in Berlin lehnen die Fans seine Einladung zum „Dialog“ als „Showveranstaltung“ ab und werfen ihm vor, sie als „Steigbügelhalter“ missbrauchen zu wollen.

Pistorius gilt seit 2014 in der hannoverschen Fanszene als Reizfigur. Damals ordnete er in Absprache mit dem Verein an, dass die 96-Anhänger nur eine Eintrittskarte für das Derby in Braunschweig kaufen können, wenn sie am organisierten Bus-Transfer in die Löwenstadt teilnehmen. Hannoversche Fans bezeichnen die Aktion heute noch als „Vieh-Transport“.

Nach den Ausschreitungen der abgelaufenen Saison in niedersächsischen Stadien will sich Pistorius mit allen Beteiligten an einen Tisch setzen. „ProFans“ teilten schriftlich mit: „Es liegt den betroffenen Fanszenen aus Niedersachsen fern, auf Kosten der Fankultur den Steigbügelhalter für eine Kandidatur zum Bundesinnenminister für Herrn Pistorius zu mimen.“

Von Britta Mahrholz

Hannover

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