Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Zoll-Razzia bei Hermes: Reisender wartet eine Woche auf Gepäck
Hannover Meine Stadt Zoll-Razzia bei Hermes: Reisender wartet eine Woche auf Gepäck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:20 31.08.2018
ALLES WIEDER DA: Dieter Kirek mit seinem Koffer, den er vor mehr als einer Woche am Bodensee aufgegeben hatte. Quelle: Foto: Droese
HANNOVER

Der Urlaub war zu Ende und Dieter Kirek (78) sowie sein großer Koffer auf dem Rückweg nach Hannover – auf getrennten Wegen: Das schwere Gepäckstück hatte der Heimreisende am Montag, 20. August in Überlingen (Bodensee) der Bahn übergeben, am Mittwoch, 22. August sollte es zugestellt werden. Dafür beauftragte die Bahn den Paketdienst Hermes als Dienstleister, welcher das Gepäck am Hotel abholte. Der schaffte es, den Koffer von Kireks Bekannter wie versprochen auszuliefern (war zur selben Zeit ebenfalls hierher unterwegs), doch Kirek selbst wartete vergebens, unter anderem „auf meinen Rasierapparat und neu gekaufte Kleidung!“.

In den Folgetagen rief er mehrfach über die Hermes-Service-Telefonnummer an, jedes Mal wurde ihm versichert: „Koffer ist im Hermes-Depot in Langenhagen, ist eingescannt, wird morgen ausgeliefert“. Doch der Koffer kam nicht. „Ich habe angenommen, dass er abhandengekommen ist“, sagt Kirek. Er traute den Versprechungen nicht mehr, ging zur Polizei, Verdacht auf Diebstahl. Die Polizei fragte bei Hermes nach und hörte ebenfalls: Koffer ist hier, wird zugestellt. Samstag hieß es: Am Montag! Wieder sah Kirek sich versetzt – und rief bei der NP an.

Unsere Anfrage bei der Hermes-Zentrale in Hamburg beschleunigte die Sache ungemein: Am frühen Dienstagnachmittag rief Kirek in der Redaktion an: „Gerade wurde mein Koffer gebracht! Es war aber kein Fahrzeug von Hermes!“ Die NP erfuhr: Für Kireks Koffer wurde eigens ein Kurierdienst beauftragt, „sonst hätte es noch ein, zwei Tage dauern können“ erklärt Hermes-Sprecher Ingo Bertram. Denn: „Es gibt im Großraum Hannover aktuell bei einigen Sendungen Verzögerungen in der Zustellung, da wir einen kurzfristigen Personalengpass hatten.“

Auf Nachfrage gibt er zu, dass es mit der Razzia von Polizei und Zoll bei einem Subunternehmer der Hermes-Gruppe vergangenen Mittwoch zu tun hat: Bei 50 von 64 angetroffenen Mitarbeitern war etwas nicht in Ordnung (wir berichteten). So hatten etwa 31 kein Visum und keine Arbeitserlaubnis. Dem Geschäftsführer des Hermes-Paketverteilzentrums wird deshalb Beihilfe zum illegalen Aufenthalt vorgeworfen. Außerdem besteht der Verdacht des Sozialbetrugs, der Scheinselbstständigkeit und dass der Mindestlohn nicht gezahlt wird.

Der Hermes-Sprecher erklärt, dass „Springerkräfte“ aus ganz Niedersachsen nach Hannover geschickt worden seien (daher waren nicht alle Sendungen/Empfänger betroffen) und nächste Woche „alles wieder seinen geregelten Gang“ gehen soll.

Von Ralph Hübner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!