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Meine Stadt Kliniken geht Narkosemittel aus
Hannover Meine Stadt Kliniken geht Narkosemittel aus
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00:16 29.04.2017
NOCH IST GENUG DA: Im Diakovere Friederiken-stift arbeiten die Ärzte mit dem Schmerzmittel Remifentanil. Es ist beliebt, weil es sehr gut steuerbar ist und die Patienten nicht noch lange ermüdet. Aber es ist eben auch ein Opiat.
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 Es ist leicht über eine Spritzpumpe zu dosieren, es hat kaum Nebenwirkungen und Nachwirkungen auch nicht: Dieses Opiat macht Patienten und Ärzte froh. Und den Hersteller Glaxo Smith Kline (GSK) auch – zumal er noch immer Hauptlieferant des Narkosemedikamentes Remifentanil ist, für das er einst das Patent besaß. Seit geraumer Zeit aber gibt es Nachschubprobleme für das hoch gelobte Schmerzmittel, und die Anästhesisten in Krankenhäusern und Praxen müssen überlegen, woher sie das Mittel beziehen, welche Alternativen es gibt. Und ob sie etwa fünffach erhöhte Preise dafür zahlen wollen.

Zuerst hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ über die Engpässe berichtet. In manchen OP-Zentren könne nur noch zwei Wochen lang operiert werden, dann seien die letzten Vorräte aufgebraucht, hieß es. Der Grund für die Misere sei unbekannt. Über Verunreinigungen bei Grundstoffherstellern werde ebenso spekuliert wie darüber, dass die Produkte aus wirtschaftlichen Gründen in andere Märkte geliefert würden.

Wegen der Knappheit sollte das Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult jetzt den fünffachen Preis dafür zahlen – doch die Klinik weigerte sich. „Das ist unredlich, das haben wir abgelehnt“, berichtet Anästhesie-Chefarzt Christoph Bernhard Eich der NP. „Wir sind nicht bereit, uns erpressen zu lassen.“

Chefarzt André Gottschalk vom Diakovere Zentrum für Anästhesiologie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin hat Erfahrungen mit solchen Fällen. Bei Engpässen könne es daran liegen, dass immer weniger Firmen Medikamente herstellen. „Die haben gewisse Produktionslinien, es wird hergestellt, was am lukrativsten ist. Wir hatten kürzlich auch Lieferprobleme mit einem Antibiotikum, Tavanic. Das wurde weltweit nur noch in zwei Werken weltweit hergestellt, das eine in China, und das brannte ab.“ Remifentanil gebe es aber noch genug in den Diakovere-Häusern, „bislang haben wir noch nichts bemerkt“. Und selbst, wenn es zu Engpässen kommen würde, gebe es genug Alternativen.

Auch in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) bleibt man locker. „Wir haben mehr als 30 000 Operationen im Jahr, dazu 5000 ambulante, mit diesem Hintergrund können wir langfristige und gute Verträge abschließen“, sagt Sprecher Stefan Zorn. Ein Engpass sei für die MHH nicht zu befürchten.

Matthias Gnielinksi, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin des Clementinenhauses, sieht ebenfalls keinen Grund zur Panik. „Wir haben kein Problem, wir beziehen das von Glaxo über die Siloah-Apotheke.“ Aber er weiß auch von den Lieferengpässen. „Vor einem halben Jahr hatten wir auch mal ein größeres Problem. Wir hatte immer die Zwei-Milligramm-Ampullen bezogen, die waren nicht lieferbar. Also sind wir auf Ein-Milligramm-Ampullen umgestiegen.“ Bei einem anderen Medikament habe es mal Glassplitter gegeben, da musste die ganze Charge vernichtet werden. „Die meisten dieser Medikamente werden intravenös gegeben, das muss natürlich hochsteril sein“, so Gnielinski.

Dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sind die Probleme mit Remifentanil bekannt – heute sind weitere Gespräche angeberaumt. Im März habe es eine erste Gesprächsrunde mit allen Akteuren gegeben. „Ziel ist es, möglichst schnell die Versorgung aller Patienten sicherzustellen“, sagte BfArM-Sprecher Maik Pommer. Remifentanil wird als Originalpräparat unter dem Produktnamen Ultiva vertrieben. Das Narkosemittel hat laut BfArM einen Marktanteil von 80 Prozent. Zwar seien auch rund ein Dutzend Generika auf dem Markt, diese könnten den Lieferengpass aber nicht auffangen.

Von petra rückerl

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