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12:59 17.08.2018
VORBEREITUNG: Im Wellenkanal des Forschungszentrums Küste soll die Wirkung von Sturmfluten auf Salzwiesen erkundet werden.
Garbsen

Wellen ma­chen für den Klimaschutz: Im Wasserkanal des Forschungszentrums Küste (FZK) in Garbsen beginnt dieser Tage ein Experiment, das sich mit den Wirkungen des Klimawandels auf die Pflanzen an der Küste, direkt an der „Waterkant“, befasst – und umgekehrt mit der Frage, was passiert, wenn diese Pflanzenwelt Schaden erleidet.

Für die Suche nach den Antworten hat ein international zusammengesetztes Team mit Experten aus den Niederlanden, Großbritannien, Belgien und Deutschland eine sogenannte Salzwiese in den tiefen Wellenkanal des FZK „eingebaut“. Der Pflanzenmix ist dem nachempfunden, was in natura im Schwemmland vor den Deichen existiert und Ebbe und Flut ausgesetzt ist.

Die Meeresspiegel werden steigen, die Stürme häufiger und heftiger werden – so lauten die Vorhersagen. „Es ist eine kritische Situation, um die wir uns kümmern müssen“, sagt Iris Möller, die an der Cambridge-Uni forscht. Denn weltweit würden immer mehr Menschen in Küstennähe siedeln. Und die müssten ja vor dem Meer geschützt werden. In einem Experiment von 2013 am FZK habe man beobachten können, dass ein hierher verfrachtetes, 40 Meter langes Stück Salzwiese die Höhe auflaufender Wellen um 20 Prozent verringerte – und dass dieser Effekt überwiegend ein Verdienst der Pflanzen war: Denn als die gemäht wurden und nur der Salzwiesenboden blieb, waren die Wellen wieder sehr viel höher. Erkenntnis: Wenn es Salzwiesen gibt, dämmen die die Flut – und man muss nicht so hohen Aufwand für die Deiche betreiben.

Die Forscher wissen auch, dass Salzwiesen Kohlendioxid speichern, also der Luft das Gas CO2 entziehen, welches den Klimawandel befördert. Das Kohlendioxid lagert sich in den Pflanzen ab, erklärt Stefanie Nolte von der Uni Hamburg. Und wenn die sterben, bleibt das CO2 dort länger gebunden als andernorts, etwa im Wald- oder Wiesenboden: Da die Salzwiesen sehr häufig nass sind, dauert es viel länger, bis durch Verrottung das Gas wieder in die Luft gelangt. Erkenntnis: Salzwiesen sind auch gut, um den Klimawandel zu bremsen.

Im FZK, das von der Leibniz-Uni und der Technischen Universität Braunschweig betrieben wird, soll die simulierte Salzwiese (es sind auch 18 Bohrkerne mit Originalsediment von der Küste dabei) nun drei Wochen den Wellen ausgesetzt werden – so wollen die Forscher herausfinden, wie stark sich deren Stärke und Häufigkeit auf die Pflanzen und die Erosion des Bodens, auf dem sie wachsen, auswirken. Die Frage lautet: Halten die Pflanzen und der Boden künftigen Sturmfluten stand – und wenn nicht, was kann getan werden? Die Niederländer haben schon mal eine Methode entwickelt, den Salzwiesen direkt nach einer Sturmflut an der Wasserlinie wieder „auf die Beine zu helfen“: Sie legen Gittermatten aus Kartoffelstärke aus, die junge Pflanzen und den Boden schützen – quasi eine Art Küstenpflaster.

Finanziert wird das Projekt überwiegend aus EU-Fördermitteln. Allein ein Tag am FZK kostet 4000 Euro (nur Nutzung des Wellenkanals) – etwa 46 Tage sind angesetzt, macht also 184 000 Euro.

Von Ralph Hübner

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