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IDYLL: Ute Bestmann fühlt sich in der Gartenkolonie Waldfrieden wohl - aber wie lange noch?

IDYLL: Ute Bestmann fühlt sich in der Gartenkolonie Waldfrieden wohl - aber wie lange noch?© Nancy Heusel

Wohnungsbau

Kleingärten: 813 Parzellen vor Abriss

Eigentlich ist alles klar: Stadt und Bezirksverband
der Kleingärtner haben sich darüber geeinigt, dass
813 Parzellen verschwinden sollen und anderswo ersetzt werden. Angeblich sind alle zufrieden mit der Lösung – nur viele Kleingärtner eben nicht. NP-Redakteur Sebastian Scherer hat die Kolonie Waldfrieden besucht – so friedlich ist es dort nicht mehr.

Hannover. Lesen bildet. Manchmal, da macht Lesen aber auch sprachlos, wütend, löst Ungläubigkeit aus. So ging es vor einigen Monaten Katja Utech, als sie ihre NP aufschlug, durch den Lokalteil blätterte – und einen Artikel über das Kleingartenkonzept las, das der Kreisverband mit der Stadt Hannover ersonnen hatte – und das vorsah, auch ihre Parzelle in der Kolonie Waldfrieden (Groß-Buchholz) einfach plattzumachen: „Dass mein Garten bald Geschichte ist, das habe ich wirklich erst aus der Zeitung erfahren.“

Utech ist eine von 813 Menschen und Familien, die Kleingärten gepachtet haben, die in den kommenden zehn Jahren zwecks Wohnbebauung plattgemacht werden. „Das wird immer so dargestellt, als würde uns das allen gefallen – aber das Gegenteil ist bei den meisten der Fall“, sagt sie. Utech ist 66 Jahre alt, wirkt allerdings deutlich jünger – ahnt jedoch, dass sich das auch mal ändern kann. „Natürlich bin ich jetzt fit, natürlich kann ich diesen Garten hier gerade bewirtschaften“, sagt sie und zeigt auf das akkurat gepflegte Stückchen Land. Ihr Hinweis zu Beginn des NP-Besuches in ihrem Garten, man dürfe den Rasen ruhig betreten, ergab durchaus Sinn – fast hätte man Angst, das perfekte Grün zu zerstören: „Zehn Jahre wollte ich das hier noch machen, wenn ich fit bleibe.“ Übernommen hat sie die Parzelle überhaupt erst vergangenes Jahr: „Dann habe ich da natürlich auch ordentlich Geld reingesteckt.“

Nun steht ein Umzug bevor, so sie will, bekommt sie einen anderen Garten. „Aber wenn das wirklich noch drei, vier Jahre dauert – dann weiß ich wirklich nicht, ob ich den Aufwand eines Neuanfangs schaffe oder will.“

Wie das alles überhaupt funktioniert, weiß in der Kolonie fast niemand. Etwas, das Utechs Nachbarin Ute Bestmann ebenfalls zutiefst ärgert: „Jahrelang haben wir uns hier etwas aufgebaut. Da lege ich wenig Wert auf einen Neuanfang –
zumal ich doch arge Zweifel habe, dass ich davon keinen finanziellen Nachteil habe. So ein Garten kostet ja im Unterhalt auch, man investiert, um es langfristig schön zu haben.“

Der Garten ist seit 2006 ihrer. Wie Utech stört sie besonders das Vorgehen: „Es kam kein Brief, es gab keinen Aushang, nichts. Bis jetzt wurden wir nicht wirklich informiert.“ Wenn der Verband sagt, das Konzept sei mit den Kleingärtnern abgestimmt, „kann ich sagen: mit mir nicht“. Beide Frauen sind sich einig, dass es nachvollziehbar ist, dass das Konzept noch im Detail ausgearbeitet wird – und deswegen nicht genau benannt werden kann, wann sie ihre Gärten verlieren. „Aber auch das kann man uns mitteilen“, so Utech.

Auch der 56-jährige Joachim Neubauer ist nicht sonderlich gut zu sprechen auf die Stadt und den Bezirksverband: „Da wurden letztes Jahr noch neue Gärten vermietet, ohne die Leute überhaupt zu informieren, dass es vielleicht für eine sehr kurze Zeit nur ist“, kritisiert er. Er genieße es sehr, nur eineinhalb Kilometer zu seiner Laube mit dem Fahrrad fahren zu müssen. „Wer weiß, wo ich meinen Ersatzgarten hinbekomme. Und das ist hier ja nicht von heute auf morgen, sondern über die Jahre entstanden. Neubauer teilt sich einen Zaun mit Utech: „Aber egal, wo sie hingehen, die Leute sind unzufrieden.“

Tatsächlich ist nur eine Ecke weiter ein weiterer Laubenpieper dabei, seinen Garten aufzubessern. Vor wenigen Wochen hat er Unterschriften gegen das Konzept gesammelt. Kamen da viele zusammen, ist die Mehrheit gegen die Pläne? „Wir haben an einem Regentag Unterschriften gesammelt, deshalb waren nicht viele hier. Aber von denen, die es waren, hat jeder sofort unterschrieben. Das ist doch eindeutig!“ Seine Nachbarin bestätigt: „Wenn Sie hier bei gutem Wetter eine Runde machen – und hier gehen auch gern viele spazieren, die hier keinen Garten haben –, haben Sie sofort hunderte Unterschriften.“ Gegen das Konzept, das Stadt und Verband so froh sind entwickelt zu haben ...

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