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Ahmet Türktekin verbringt den Tag mit Tochter Ayla auf dem Markt und am Spielplatz.© Emre Yaylagülü

Hannover

Kita-Streik: „Das ist der pure Stress“

Die kommunalen Kitas sind seit mehr als zwei Wochen geschlossen. Sozialarbeiter und Erzieher sind im Streik. Verdi und die GEW fordern eine höhere Eingruppierung im Tarif, die Arbeitgeberseite nimmt die Arbeitsniederlegung hin. Jetzt protestieren die Eltern. Sie rufen dazu auf, Donnerstag ab 14 Uhr von der Verdi-Zentrale an der Goseriede zum Trammplatz vor dem Rathaus zu marschieren. Dort ist zeitgleich Ratssitzung.

Hannover. Die Konsequenzen durch den Streik der Erzieher werden immer größer - und am härtesten trifft es dabei wohl die Kinder. Auf ihrem Rücken wird der Streit ums Gehalt ausgetragen. Das Verständnis, das den Erziehern anfangs entgegengebracht wurde, schwindet. Die Kleinen verstehen das nicht, monieren viele Eltern. Und ihre Kinder seien es, die aus ihrem Alltag gerissen werden.

„Das ist der pure Stress“, erklärt Marina Berk (31). Die Mutter einer schulpflichtigen Tochter und eines Sohnes im Kindergarten betont: „Natürlich ist es für die Eltern ein riesiges Problem, aber in erster Linie geht es um die Kinder, und die bluten!“ Als Krankenschwester kann sich Berk nicht spontan freie Tage nehmen, zweimal habe es trotzdem geklappt, dass sie mit ihrem Sohn zu Hause bleiben konnte. „So gehen Urlaubstage drauf“, sagt Berk - „die sind doch für Erholung gedacht und nicht als Kinderbetreuungstage.“ Auch Berks Mann und ihre Mutter hätten bereits Urlaubstage nehmen müssen. An manchen Tagen hatte allerdings keiner aus der Familie Zeit. „Wir haben privat organisiert, dass jemand mehrere Kinder betreut“, erklärt die 31-Jährige. Aber: „Wie fühlt sich das denn an für die Kinder, wenn sie von A nach B abgeschoben werden?“ Die Kinder laufen völlig neben der Spur.

„Meine Tochter vermisst ihre Freundinnen“, berichtet Ahmet Türktekin (33). Er habe bereits zwei Wochen Urlaub nehmen müssen, um auf die fünfjährige Ayla aufzupassen. Das sei zwar einerseits schön, weil er den Tag mit seiner Tochter verbringen könne, andererseits „möchte ich nicht schon jetzt meinen ganzen Jahresurlaub verplanen“. Türktekin wüsste nicht, ob so der eigentlich geplante Urlaub im Juli klappe oder abgesagt werden müsse. Auch der Vater beklagt: „Prinzipiell habe ich Verständnis dafür, dass die Kita-Mitarbeiter für ihr Recht streiken. Leider geht dies auf die Kosten der Kinder und auf uns Eltern.“ Ihn ärgert zudem, dass die Betreuung Geld koste und in Frage stand, ob es überhaupt zurückgezahlt werde.

In den sozialen Netzwerken wird der Unmut lauter. Eltern besprechen in Gruppen, ob sie klagen sollen - wegen des Rechts auf einen Betreuungsplatz. Das Verständnis für die Erzieher schwindet.

Nutzerin Paulina G. schreibt auf Facebook über Verdi: „Überall erzählen sie, wir Eltern würden hinter den Erziehern stehen. Komisch, dass ich das bislang noch nie von der Elternschaft gehört habe! Die Erzieherinnen streiken, Verdi legt sich Lügen zurecht, und die Kommunen? Die sitzen den Streik aus, weil sie sogar noch finanziell davon profitieren!“ Ihr Fazit: „Wer leidet also als Einziger? Richtig! Die Familien!“

von Julia Thomas und Eva-Maria Weiss


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