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Bildet Bande: Für Christiane Finner, Leiterin der Koordinierungsstelle Frau und Beruf, ist es vor allem wichtig, dass alle an einem Strang ziehen. Fotos: Wulf/Region Hannover

Netzwerken

Kind und Karriereknick: Diese Frau hilft Frauen

Schule, Ausbildung, Beruf – und dann kommt mit den Kindern und der Elternzeit der Karriereknick. Das trifft zumeist Frauen. Und obwohl das weibliche Geschlecht vornehmlich für die Pflege der sozialen Kontakte zuständig ist, fällt es Frauen oft schwer, auch berufliche Netzwerke zu gründen. Aber dafür gibt es von der Region Hannover ja die „Koordinierungsstelle Frau und Beruf“. Das Jahr 2016 steht unter dem Motto „Erfolgreich netzwerken ist eine Kunst“, die NP hat sich auf einem Netzwerktreffen umgeschaut.

Hannover. Der Workshop beginnt mit einer kniffligen Frage: Was soll bloß aus Elisabeth (Name geändert) werden? Die Frau hat das erste Jura-Staatsexamen mit Eins abgeschlossen, kurz vorm zweiten Staatsexamen fällt ihre Schwester ins Koma und sie muss diese pflegen. Dann heiratet Elisabeth, studiert nebenbei BWL (mit Einser-Abschluss) und bekommt drei Kinder, die jetzt im Alter von sieben, fünf und eineinhalb Jahren aus dem Gröbsten raus sind. Sie engagiert sich ehrenamtlich in der Kirche und singt mit ihrem Mann, einem Unternehmensberater, zusammen im Kirchenchor. Die Frau mit dem konservativen hanseatisch-protestantischen Wertekanon im Hintergrund lernt gerade Spanisch (Intensivkurs) und überlegt nun, wie sie beruflich wieder Fuß fassen kann.

Auf die entsprechende Nachfrage, ob Elisabeth nicht erst einmal einen Mega-Wellnessurlaub buchen sollte, Spaß haben, abschalten und loslassen sollte, entgegnet Coach Katrin Wilkens: „Nö, die ist durchaus zufrieden, die ist tatsächlich auf der Suche nach einem neuen Ziel, einem Leuchtturm. Spaß haben steht nicht in ihrem Wertekontext.“

Die etwa 100 Frauen, die sich zum zweiten Netzwerktreffen der „Koordinierungsstelle Frau und Beruf“ der Region Hannover zusammengefunden haben, teilen sich in mehrere Gruppen auf und diskutieren, wie man Elisabeth auf die Sprünge helfen könnten. Denn das ist auch ihr eigenes Thema: Wo steckt mein Potenzial, wie kann ich beruflich wieder Fuß fassen nach Kinder-, Pflege- oder krankheitsbedingter Berufspause, was muss ich beim Wiedereinstieg beachten, und wer hilft mir, wenn ich gerade mal nicht weiter weiß?

Solche und andere Fragen hat sich auch Mareike Wietler aus Isernhagen gestellt. Die 37-jährige Diplomsportwissenschaftlerin ist nach der Geburt des ersten Sohnes Teetje (6) wieder schnell voll ins Berufsleben eingestiegen, im Sommer endet ihre zweite Elternzeit, ihr zweiter Sohn Tjaard ist nun zwei Jahre jung. „Ich bin noch am Schwanken, ob ich als zweifache Mutter Voll- oder Teilzeit arbeiten soll, welche Möglichkeiten es gibt, mit dem Arbeitgeber flexible Modelle abzuklären. Und ich will auch herausfinden, welche Potenziale noch in mir stecken“, sagt die sympathische Sportmanagerin – die mit nun zwei Kindern noch etwas unschätzbar Wertvolles für ihren Boss mitbringt: „Mütter können allgemein gut organisieren, sind strukturiert und flexibel – das bringt allein schon das Muttersein mit sich.“

Frauen, denen dieser gesunde Blickwinkel fehlt, die sich tendenziell klein machen, weil sie als Mutter „nur“ Teilzeit arbeiten können oder als Ballast im Büro empfunden werden, weil eben auch mal die Kinder kränkeln und sie dafür zu Hause bleiben müssen – diese Frauen sind richtig bei Christiane Finner. Die 47-Jährige leitet die Koordinierungsstelle Frau und Beruf, und ihr Hauptanliegen heißt „Vernetzung“. „Frauen sollten ein Netzwerk haben, besonders Berufsrückkehrerinnen, die sich auf Augenhöhe austauschen können“.

Ein großes Thema für Finner ist mittlerweile auch Pflege: „Manchmal sogar als Doppelbelastung, wenn Frauen spät ihre Kinder kriegen und dann die Eltern oder Schwiegereltern schon bald pflegebedürftig werden.“ Läuft es für diese Frauen richtig schlecht, seien sie sehr bald ausgebrannt, womöglich gehe die Ehe dann auch noch den Bach runter, „und dann gibts nicht einmal eine richtige Rente“. Sie berät diese Frauen, aber auch Unternehmen zu Fragen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Bildungsträger, welchen Bedarf es für ihre Klientel gibt. „Bildet Banden“ heißt das Motto, denn gemeinsam geht doch vieles besser.

Auch Mareike Wietler profitiert von diesem Netzwerk und teilt ihre Erfahrungen wiederum mit anderen. Das Coaching-Duo Katrin Wilkens und Sebastian Schlösser aus Hamburg hat sie fürs zweite Netzwerktreffen ins Haus der Region vermittelt: „Ich hatte mir dort eine Potenzialanalyse erstellen lassen und fand die beiden toll, weil sie sehr persönlich auf einen eingehen und wirklich gut beraten.“

Das haben sie übrigens auch bei Elisabeth geschafft. Die Hamburgerin studiert jetzt Gesundheitsmanagement, das ferne Ziel ist, irgendwann die Leitung von Alten- und Pflegeheimen zu übernehmen. Alle waren sich an diesem Abend sicher, dass Elisabeth dies schnell schaffen wird.

Petra Rückerl

Info

Das nächste Netzwerktreffen ist am 18. April, dann geht es um Gesundheit und Pflege. Frauen, die sich beraten lassen wollen, wie sie ihre Familie und den Beruf unter einen Hut kriegen, wie sie den Wiedereinstieg in den Beruf schaffen, oder die womöglich mit Familie, Arbeit und Pflege überlastet sind, können sich an Christiane Finner wenden. Die Koordinierungsstelle Frau und Beruf hat ihren Sitz im Haus der Wirtschaftsförderung, Vahrenwalder Straße 7. Terminvereinbarung, Auskünfte und Anforderung des Seminarprogramms telefonisch unter 05 11/ 61 62 35 42 oder per E-Mail an „frauundberuf@region-hannover.de“.


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