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Meine Stadt Kaserne nach gefallenem Hauptfeldwebel benannt
Hannover Meine Stadt Kaserne nach gefallenem Hauptfeldwebel benannt
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00:20 31.03.2018
Das ging schnell: Schon am Mittwoch war der neue Name der Kaserne an deren Eingang zu sehen. Quelle: Foto: Dröse
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Hannover

 Eine Kaserne – benannt nach einem gefallenen Soldaten der Bundeswehr: Das hatte es bisher noch nicht gegeben. Hannover macht den Anfang. Die dort stationierte Feldjäger-Truppe hatte vorgeschlagen, die Emmich-Cambrai-Kaserne in Vahrenwald umzubenennen. Am Mittwoch wurde sie zur Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne. Tobias Lagenstein war 2011 bei einem Anschlag in Afghanistan ums Leben gekommen.

„Ich kann mir keinen besseren Namensgeber vorstellen“, sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in ihrer Rede zur Umbenennung der Kaserne. Für sie ein „Zeichen, dass der Bund der Kameradschaft trägt, selbst über den Tod hinaus“.

Keine Identifikation mit Emmich und Cambrai

Für Oberst Dirk Waldau, den Kommandeur der Schule für Feldjäger und Stabsdienst in Hannover, ist der neue Name der Kaserne einer, „der uns motivieren und auch stolz machen kann“. Mit dem Namen von Otto von Emmich, dessen Armeekorps im Ersten Weltkrieg das belgische Lüttich eroberte, sowie der französischen Stadt Cambrai, wo die erste Panzerschlacht der Geschichte ausgetragen wurde, habe sich niemand identifizieren können.

Seine Feldjäger selbst hatten Lagenstein im Sommer 2017 als neuen Namensgeber ins Spiel gebracht. „Ich freue mich, dass diesem Vorschlag entsprochen wurde“, sagte Waldau. Lagenstein sei ein „herausragendes Vorbild“ gewesen.

Für Verteidigungsministerin von der Leyen war die Umbenennung der Kaserne in Hannover ein „würdiger Anlass“, den neuen Traditionserlass der Bundeswehr zu unterzeichnen. Die Diskussion um dessen Neufassung hatte nach dem Skandal um den rechtsextremen Oberleutnant Franco A., der sich als syrischer Flüchtling ausgegeben und Terroranschläge geplant haben soll, an Fahrt aufgenommen.

Kasernenumbenennung vorbildliche Traditionspflege

Einen „Augenöffner“ nannte das Volker Wieker, der Generalinspekteur der Bundeswehr, bei einer Podiumsdiskussion im Vorfeld der Unterzeichnung des neuen Erlasses durch von der Leyen. „So stelle ich mir Traditionspflege vor“, sagte er über die Umbenennung der Kaserne.

Die passt auch deshalb zum neuen Traditionserlass, weil dieser stärker als zuvor die Geschichte der Bundeswehr in den Mittelpunkt rückt. „Eine Geschichte, auf die wir stolz sein können“, verkündete von der Leyen.

Die Wehrmacht und auch die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR könnten als Institutionen nicht sinnstiftend für die Tradition der Bundeswehr sein. Gleichwohl habe es auch in ihren Reihen „traditionswürdige Vorbilder“ gegeben. „Es kommt auf die einzelne Person an“, erklärte von der Leyen.

Funktioniert der neue Traditionserlass in der Praxis?

Allerdings bleibt fraglich, wie gut sich der neue Traditionserlass in der Praxis umsetzen lässt. Feldjägerschulen-Kommandeur Waldau räumte in der Podiumsdiskussion ein, dass „junge Menschen eher das Bild des Kampfes“ vor Augen hätten und sich „Vorbilder suchen, die das ausgelebt haben“. Ein „Irrweg“, gegen den man in der Ausbildung angehen müsse. Wichtig sei es, „Tapferkeit wertebezogen zu vermitteln“.

Der Historiker Klaus Naumann, der dem Beirat Innere Führung der Bundeswehr angehört, kritisierte, dass in der Ausbildung der Soldaten nicht genügend Zeit für politisch-historische Bildung bleibe. Diese Führungsaufgabe werde „nicht ausreichend wahrgenommen“.

Auf Emmich-Cambrai folgt Hauptfeldwebel Lagenstein: Die Kaserne in Vahrenwald hat seit Mittwoch einen neuen Namen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kam zur Umbenennung und unterzeichnete in Hannover auch den neuen Traditionserlass der Bundeswehr.

Von Christian Bohnenkamp

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