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Vorzeitiger Abgang: Wilhelm Lindenberg (links) und André Neiß mussten bei der Üstra vorzeitig ihre Büros räumen. Zumindest Lindenberg ist aber weiter gefragt. Er soll bei den Ricklinger Karnevalisten Ehrensenator werden.

Vorzeitiger Abgang: Wilhelm Lindenberg (links) und André Neiß mussten bei der Üstra vorzeitig ihre Büros räumen. Zumindest Lindenberg ist aber weiter gefragt. Er soll bei den Ricklinger Karnevalisten Ehrensenator werden.
© Katrin Kutter

Nach Üstra-Affäre

Karneval-Streit: Absagen wegen Ehrensenator Lindenberg

Bei der Üstra musste Vorstand Wilhelm Lindenberg vorzeitig gehen. Der Karnevalsverein in Ricklingen will ihn trotzdem zum Ehrensenator ernennen. Doch nicht alle sind davon begeistert.

Hannover. Seinen Abgang bei der Üstra hatte sich Wilhelm Lindenberg sicher anders vorgestellt. Der frühere Üstra-Vorstand wurde nach 40 Jahren im Unternehmen freigestellt. Rund ein Jahr vor seinem Ruhestand, weil er – so ein Vorwurf – zusammen mit seinem Vorstandskollegen André Neiß versucht haben soll, Fehler bei einer Bestellung von Hybridbussen zu vertuschen. Der Karnevalsverein „Fidele Ricklinger“ will Lindenberg bei seiner Prunksitzung am kommenden Samstag dennoch zum Ehrensenator ernennen. Die Veranstaltung wird dadurch zum Politikum.

Die Laudatio auf Lindenberg hätte traditionsgemäß die im Vorjahr ernannte Ehrensenatorin Antje Niewisch-Lennartz halten sollen. Die Grüne war zuletzt Niedersachsens Justizministerin gewesen. Ausgerechnet die Juristin hätte also lobende Worte für einen Mann finden müssen, unter dessen Führung laut Aufsichtsratschef Ulf-Birger Franz bei der Üstra nicht alles sauber gelaufen sein soll. Ein heißes Eisen, das Niewisch-Lennartz nicht anfassen wollte. Sie sagte ihre Laudatio ab, will aber immerhin zur Sitzung kommen, heißt es.

Ex-Ministerin Niewisch-Lennartz sagt Laudatio ab

Anders als Michael Dette. Der Grüne ist stellvertretender Bezirksbürgermeister in Ricklingen, außerdem Abgeordneter in der Regionsversammlung. Und vor allem dieses Amt hält ihn nun von einer Teilnahme an der Karnevalsveranstaltung ab. „Die Region hat gewollt, dass ein neuer Üstra-Vorstand gewählt wird. Da kann ich da nicht hingehen und applaudieren, wenn Lindenberg zum Ehrensenator ernannt wird“, erklärt Dette.

Dem Karnevalsverein will er allerdings verbunden bleiben. „Die machen tolle Arbeit, vor allem im Jugendbereich. Im nächsten Jahr werde ich auf jeden Fall wieder hingehen“, kündigt er an.

Bezirksbürgermeister kommt „mit Bauchschmerzen“

„Mit Bauchschmerzen“ wird Ricklingens Bezirksbürgermeister Andreas Markurth an der Prunksitzung teilnehmen. Der SPD-Mann ist selbst Ehrensenator. „Sehr kritisch“ sieht er die Ernennung Lindenbergs für dieses Amt. Er hätte sich gewünscht, dass dieser auf den Posten verzichtet. „Das schadet dem Karneval“, sagt Markurth.

Auch Bürgermeister Klaus Dieter Scholz (CDU) ist Ehrensenator bei den „Fidelen Ricklingern“. Er wird zwar ebenfalls kommen, findet jedoch, dass der Ehrensenator-Titel an Personen vergeben werden sollte, die „einen gewissen Stand in der Öffentlichkeit haben“. Letzteres sei bei Lindenberg „nicht mehr so gut gegeben“.

Lindenberg freut sich trotzdem auf die Prunksitzung

Vereinspräsident Jürgen Scheele hingegen hält klar an Lindenberg fest. Er hatte diesen schon Anfang 2017 das Amt des Ehrensenators angeboten, also bevor die Vorwürfe gegen den Üstra -Vorstand aufkamen.„Ich bin Karnevalist. Und Karnevalisten stehen zu ihrem Wort“, stellt Scheele klar. Zudem habe sich Lindenberg um den Karneval verdient gemacht.

Lindenberg betont gegenüber der NP, dass er sich auf die Prunksitzung in Ricklingen freue. „Ich habe, was die Üstra angeht, ein absolut reines Gewissen. Es gibt für mich keinen Grund, nicht zu kommen“, so der frühere Üstra-Vorstand.

Von Christian Bohnenkamp


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